Hessens Politprovokateur Jörg Bergstedt muss sich morgen zum Haftantritt melden

Antreten zum Einsitzen

Muss morgen wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung eine sechsmonatige Haftstrafe antreten: der Politprovokateur Jörg Bergstedt (46) aus der Nähe von Gießen. Foto: Wegst/Archiv/nh

Giessen. Der bundesweit bekannte Gentechnikkritiker Jörg Bergstedt muss am Donnerstag ins Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft hat ihn zum Haftantritt in den offenen Vollzug der Justizvollzugsanstalt Gießen geladen.

„Hoffentlich nur nachts“

Der 46-Jährige hofft nun, dass er nur die Nächte im Gefängnis verbringen muss und tagsüber weiter an einem Buch über die Seilschaften in der Gentechnik weiterarbeiten kann: „Das hängt davon ab, ob sie meine Schriftstellerei als Arbeit anerkennen“, sagt Bergstedt. Um das aktuelle Projekt abzuschließen, hat er einen Haftaufschub von zwei Monaten beantragt.

Bergstedt fürchtet, dass er im Gefängnis schnell in den geschlossenen Vollzug verlegt wird: „Es gibt ja etliche Leute, die mich mundtot machen wollen“, sagt der Ökoaktivist und Anarchist. Dies würde der Logik des „Krampfes“ entsprechen, den die Justiz seit Jahren gegen ihn abziehe.

Jetzt hat er eine Tasche mit Zahnbürste, Radio, Büchern und Papier gepackt. Ersatzkleidung brauche er nicht, sagt der asketisch lebende Bergstedt, der eine linke Projektwerkstatt im mittelhessischen Saasen bei Reiskirchen mit Spenden betreibt. Im Gefängnis könne er höchstens sein Buch über die herrschaftsfreie Welt - ein Klassiker der Anarchisten - überarbeiten. Doch selbst dazu brauche er einen Computer, den es im Gefängnis nicht gebe, sagt der ledige Bergstedt.

Der Politprovokateur war wegen seiner Aktionen gegen Gentechnik, den heutigen Ministerpräsidenten Volker Bouffier und die Staatsgewalt schon mehrfach in Untersuchungshaft. So wurde er nach Sachbeschädigungen in der Nähe von Bouffiers Wohnhaus und der Gießener CDU-Geschäftsstelle im Mai 2006 festgenommen. Polizisten hatten ihn jedoch zur Tatzeit an einem anderen Ort observiert und wussten daher, dass er nicht der Täter sein konnte. Zeitgleich hatte er nämlich Federball gespielt - vor dem Gießener Justizgebäude.

Von Gesa Coordes

Quelle: HNA

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