Arzt wegen bedrohlicher Hygiene-Mängel angeklagt

Für die Patienten wurde der Arztbesuch zum Alptraum. Einer Frau musste wegen einer mutmaßlich in der Praxis erlittenen Bakterien- Infektion ein Bein abgenommen werden. Schuld soll ein Orthopäde sein. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben.

Fulda. Für die Patienten waren die Folgen der Behandlungen der reinste Horror, nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen Arzt aus Fulda erhoben. Bei ihm sollen sich drei Geschädigte wegen Hygiene-Mängeln schwere Bakterien-Infektionen zugezogen haben.

Einer Frau musste deswegen sogar ein Bein amputiert werden, nachdem sie sich mit Streptokokken angesteckt hatte. Die Behörde in Fulda ermittelt nach eigenen Angaben wegen fahrlässiger Körperverletzung in drei Fällen und Verstoßes gegen das Medizinproduktegesetz. In allen Fällen sei es zu lebensbedrohlichen Komplikationen gekommen. Die Patienten mussten laut Mitteilung danach im Klinikum Fulda notoperiert werden.

Der Staatsanwaltschaft zufolge soll der Angeschuldigte sich auch nicht um die Patienten gekümmert haben, obwohl sie nach den Eingriffen über starke Schmerzen klagten. Zwei Frauen und ein Mann im Alter von Mitte 20 bis 60 Jahren, die sich alle am 19. April 2010 in dem ambulanten Operationszentrum unters Messer begaben, waren von den Infektionen betroffen.

Streptokokken sind Bakterien und gehören zu den häufigsten Krankheitserregern. Sie verursachen etwa diverse Entzündungen. Die Bakterien werden meist durch kleine Tröpfchen in der Atemluft übertragen. Mediziner schätzen, dass ein Mensch im Laufe seines Lebens über 60 Streptokokken-Infektionen durchmacht.

Bestimmte Arten von Streptokokken sind jedoch völlig harmlos und leben im Mund und Rachen der meisten Menschen, ohne Krankheitssymptome hervorzurufen. In seltenen Fällen können Streptokokken ein toxisches Schock-Syndrom auslösen. In der Einrichtung waren bereits im Juli 2008 Mängel festgestellt worden.

Laut Staatsanwaltschaft lagen danach erneut Hygiene-Mängel vor. Die Räume sollen auch nicht dem Stand der allgemein anerkannten Technik entsprochen haben. Das Kreisgesundheitsamt hatte das OP- Zentrum nach den skandalösen Vorfällen geschlossen.

Bevor der Patientin ihr Bein amputiert werden musste, lag sie den Angaben zufolge drei Wochen im Koma. Bei einem anderen Patienten sei akutes Nierenversagen festgestellt worden, er musste zehnmal operiert werden.

Bei einer weiteren Patientin waren ebenfalls zehn Operationen nötig, um ihren Unterschenkel zu retten. Die Staatsanwaltschaft ist der Auffassung, dass der Arzt seine medizinischen Geräte nicht ordnungsgemäß reinigte. Zudem soll der OP- Saal ohne die vorgeschriebene Raumlufttechnik betrieben worden sein. Der „Fuldaer Zeitung“ (Donnerstag) sagte der Arzt, dass er die erhobenen Vorwürfe für nicht gerechtfertigt halte.

Er gehe davon aus, dass sie im Verfahren nicht aufrechterhalten werden könnten. Ein nach den Vorfällen in Auftrag gegebener Untersuchungsbericht hatte aber gezeigt, dass Hygiene-Vorschriften nicht eingehalten wurden. Das hatte die Staatsanwaltschaft Mitte Mai 2010 berichtet. (dpa)

Quelle: HNA

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