Atomexperte Renneberg: Zustand des Atomkraftwerks Biblis bedenklich

Biblis. Gerade erst hat Betreiber RWE die Laufzeit des Kernkraftwerks Biblis mit dem Kauf zusätzlicher Strommengen verlängert. Der frührere Chef der Atomaufsicht beim Bundesumweltministerium, Wolfgang Renneberg, hält den Zustand des Meilers aber für bedenklich.

Eines der Denkspiele, mit denen die Union den internen Laufzeit-Streit beilegen könnte, würde ganz alte Meiler stilllegen und neueren dafür Verlängerung geben.

Der frührere Chef der Atomaufsicht beim Bundesumweltministerium, Wolfgang Renneberg, hält in einer Studie zur Sicherheit von Atomkraftwerken den Zustand des Meilers in Biblis für bedenklich. In einem Interview der HNA nannte er das Abschalten des technisch stark veralteten einzigen Atomkraftwerks in Hessen einen Schritt in die richtige Richtung.

Wolfgang Renneberg.

 Renneberg: "In Biblis müssten nach 35 Jahren dringend alte Rohre ausgetauscht werden. Das AKW hat keine Notstandswarte außerhalb der Reaktorgebäude. Einem Absturz oder Terrorangriff mit einem großen Flugzeug halten die Meiler nicht Stand. Leitungen sind so verlegt, dass Lecks, die in anderen Kraftwerken beherrscht werden und auch beherrscht werden müssen, in Biblis zur Kernschmelze führen könnten.

Die Wucht des aus Lecks schießenden Wassers könnte in Biblis sicherheitstechnisch nötige Anlagenteile zerstören". Zu hohen Summen, die Atomkonzerne in die Nachrüstung von Kernkraftwerden gesteckt haben, sagte Renneberg: "Nachrüstungen stoßen an Grenzen. Sie können Mängel, die aus dem veralteten Sicherheitsdesign von vor 30 oder 40 Jahren resultieren, nur begrenzt ausgleichen. Nehmen Sie als Bild die Autotechnik: In einen 2 CV, eine Ente, lassen sich schwerlich nachträglich Knautschzonen und viele weitere Sicherheitselemente einbauen, die heute Standard sind". (wrk)

Das gesamte Interview lesen Sie in der gedruckten Montagsausgabe der HNA.

Quelle: HNA

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