Landesweit fehlen 150 Auszubildende – Kleine Betriebe sterben wegen Billigkonkurrenz aus

Bäcker suchen dringend Nachwuchs

Immer weniger Jugendliche wollen als Bäcker arbeiten. Foto: dpa

Wiesbaden. Die hessischen Bäcker suchen händeringend Nachwuchs. Aktuell fehlten rund 150 Bäcker- und Verkaufs-Azubis, sagte der Landesinnungsmeister des Bäckerinnungsverbands Hessen, Wolfgang Schäfer, in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Derzeit arbeiteten zwischen 1800 und 1900 Lehrlinge in hessischen Bäckereien. Die Zahl neu geschlossener Ausbildungsverträge sei im Ausbildungsjahr 2010/2011 zwischen 15 und 20 Prozent niedriger gewesen als im Jahr zuvor. Eine alternde Bevölkerung und die gute Konjunktur machen es für das Bäckerhandwerk zunehmend schwerer, Lehrlinge zu finden. Sie werden gebraucht: Obwohl die Zahl der Betriebe in den vergangenen zehn Jahren um rund ein Drittel gesunken sei, habe die Zahl der Bäckerei-Mitarbeiter leicht zugenommen, sagte Schäfer.

Er erklärt das so: „Kleinere Betriebe sterben weg, die bestehenden Betriebe werden größer.“ Den etwa 900 backenden Betrieben stünden in Hessen rund 3200 Verkaufsstellen gegenüber.

Ein Grund für das Verschwinden kleinerer Bäckereien ist nach Ansicht des Innungsmeisters auch die Verbreitung von Discountern. Sie verarbeiteten industriell gefertigte Teigringe, die teils aus Nordafrika oder Südamerika importiert würden, und hielten die Preise damit niedrig, sagte Schäfer.

Im Kampf um die besten Fachkräfte wagt sich das Bäckerhandwerk auch an neue Medien und wirbt unter anderem beim Netzwerk Facebook. „Ich weiß, dass wir mehr Freunde haben als manche Dax-Unternehmen“, sagte der Bäcker. Interessierte können sich auch auf dem Internetportal back-dir-deine-zukunft.de informieren.

Mehr Information ist nach Schäfers Meinung nötig. „Bei manchen ist das Klischee noch im Hinterkopf: Der Bäcker muss morgens früh aufstehen, schleppt schwere Säcke und fällt mittags müde ins Bett. Die Zeiten sind lange vorbei.“

Weniger körperliche Arbeit

Heute gehe es weniger um körperliche Arbeit, sondern um die Fachkompetenz der Mitarbeiter. Im Gegensatz zu Discountern oder Fastfood-Ketten hätten die Bäcker noch „Kaffeekompetenz“. Das soll heißen: Hier wird die Milch noch von Hand aufgeschäumt. (lhe)

Quelle: HNA

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