Für das Tourismus-Mammutprojekt gibt es noch immer keine Investoren

Große Pläne verblassen

Hofgeismar. Bauernhof, Gestüt, Jagdschloss, Kriegsgefangenenlager, Übersiedlerwohnheim, Seniorenheim, staatseigene Domäne: Beberbeck bei Hofgeismar (Landkreis Kassel) hat im Lauf der Jahrhunderte schon viel gesehen.

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Aus der Idee, für den schwäbischen Autobauer Daimler-Benz eine Teststrecke über die Äcker zu betonieren, wurde in den 1980ern aber doch nichts. Seit fünf Jahren befeuern das Anwesen im idyllischen Reinhardswald und 900 Hektar Wald, Wiesen und Feld drumherum die Fantasie der Projektentwickler erneut. Inzwischen entpuppt sich der Traum von „Europas größter Tourismusanlage“ aber immer mehr als unrealistisch. Im Prospekt der Entwickler hieß es noch: „Schloss Beberbeck Resort - ein wahres Märchen aus dem Herzen Deutschlands“.

Hintergrund: Stadt bürgt für 3,5 Mio. Euro

Das Land Hessen taxiert den Wert von 807 Hektar Domänenland - der ersten Verkaufstranche - auf 9,2 Mio. Euro. Das ist ein Preis für Wald- und Ackerland. Wertsteigerungen bei einem Weiterverkauf als Bauland an Investoren will das Land zu 75 % abschöpfen. Die städtische Besitzgesellschaft, an die das Land zunächst ginge, will mit dem Weiterverkauf Kommunalkredite refinanzieren, für die die Stadt mit bis zu 3,5 Mio. Euro bürgt - Geld für Gutachten, Beratung, Planung, Ausschreibungen. Das Land hat 30 Mio. Euro Strukturförderung zugesagt - wenn die Gesamtfinanzierung gesichert ist. (wrk)

Auch fünf Jahre nach jener Pressekonferenz Ende 2004, auf der die kleine Ansiedlung am Reinhardswald zur möglichen künftigen Attraktion betuchter Touristen von nah und fern erklärt wurde, hat Hofgeismars Bürgermeister Heinrich Sattler noch immer keine Investoren gefunden. Niemanden, der 420 Millionen Euro für fünf Luxushotels, Wellness-Zentrum, 400 Villen und Ferienwohnungen in acht Märchendörfern, fünf Golfplätze, Trabrennbahn, eine künstliche Seenplatte mit Sandstränden ausgeben will. Dabei war für 2011 eigentlich Einweihung geplant, hätten die ersten von 6000 Betten bezogen werden sollen.

Sattler wurde unterdessen mit dem Projekt bekannt - als sein eigener Hauptdarsteller in „Henners Traum“, dem Dokumentarfilm des Kasseler Filmemachers Klaus Stern. Der Streifen ist ein Kassenschlager in Programmkinos und läuft auch gut im Fernsehen. Stern hat den Hofgeismarer Bürgermeister zwei Jahre lang mit der Kamera zu wichtigen Terminen mit wichtigen Männern begleitet. Von seinen Reisen durch die Glitzerwelt des großen Geldes und internationaler Immobilienmessen - München, Nizza, eine Dubai-Reise platzte - ist Hofgeismars Bürgermeister bislang mit leeren Taschen zurückgekehrt.

Auch Hessens Ministerpräsident Roland Koch taucht in „Henners Traum“ kurz auf. Der CDU-Landesvater wirkt darin nicht amüsiert. Immerhin hat das Land als Eigentümerin der Domäne dafür gesorgt, dass in den Kaufvertrag vor die Übergabe an eine städtische Besitzgesellschaft Bedingungen eingebaut wurden: Die Stadt muss die Altenheimbewohner aus Beberbeck anderweitig unterbringen, das Personal der Domäne übernehmen und für Schäden gradestehen, wenn das Projekt platzt. Auch muss Hofgeismar Investitionsbestätigungen über 250 Millionen Euro vorlegen, bevor das Land die Domäne freigibt. Letzte Frist hierfür - mehrfach verschoben: Ende 2010.

Beberbeck liegt im Winterschlaf, Bürgermeister Sattler ist derzeit in Urlaub. Einen Plan B gebe es nicht, sagte er Mitte Januar. Einen Investor schon, sagte er Mitte Dezember. Der wolle statt Reiten mehr Ballsport im Resort Beberbeck, aber erst mal nicht bekannt werden.

Von Wolfgang Riek

CHRONOLOGIE: Pläne seit Dezember 2004

• Dezember 2004: Pläne für das Resort werden vorgestellt.

• Februar 2007: Das Stadtparlament stimmt der Gründung einer Besitzgesellschaft zu.

• November 2007: Ministerpräsident Roland Koch legt Bürgermeister Heinrich Sattler einen Kaufvertrag (Volumen: 9,2 Mio. Euro) für das Gelände der Domäne vor.

• September 2008: Die Kritik wird lauter. Das Aktionsbündnis Beberbeck stellt sich gegen die Pläne, fordert eine deutlich kleinere Variante.

• Juli 2009: Der mehrfach verschobene Closing-Termin wird erneut vertagt - auf Ende 2010. Dann sollen die Bedingungen, die das Land im Kaufvertrag stellt, erfüllt sein. Sonst gilt das Geschäft nicht.

• Januar 2010: Im Stadtparlament steht - statt einst breiterer Mehrheit - längst nur noch die CDU hinter Bürgermeister Sattler und dem Großprojekt. (kle/kil)

Quelle: HNA

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