Umstrittene Kapellenweihe der Pius-Brüder - Keine Antwort des Vatikans auf Beschwerde des Bistums Fulda

Rom bleibt seit einem Jahr stumm

Umstrittene Kapelle: Eine Gläubige betet in den Räumen der PiusBruderschaft in Fulda. Foto: dpa

Fulda. Seit gut einem Jahr ist der kirchliche Frieden im katholischen Fulda gefährdet. Im vergangenen Sommer weihte dort die umstrittene Pius-Bruderschaft eine Kapelle in einer ehemaligen Gärtnerei im Stadtteil Horas und löste damit schärfste Proteste bei Bischof Heinz Josef Algermissen (67) aus.

Hintergrund: Erzkonservative Pius-Bruderschaft Die erzkonservative Bruderschaft St. Pius wurde 1970 von Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet. Sie hält an Riten und Lehren der katholischen Kirche fest, die das Zweite Vatikanische Konzil (1962 - 1965) aus ihrer Sicht aufgegeben hatte. Sie lehnt die Öffnung zur Ökumene, Religionsfreiheit, Kollegialität der Bischöfe und die Liturgiereform ab. Für Lefebvre sind die kirchlichen Veränderungen seit dem Konzil das Ergebnis eines Komplotts liberaler und antichristlicher Mächte.Die Bruderschaft betreibt ohne Erlaubnis der Diözesanbischöfe Priesterseminare und Kapellen. Papst Benedikt XVI. hat die Exkommunikation von vier Bischöfen im April 2009 aufgehoben. Priester der Bruderschaft sind weiter suspendiert. Diese Beugestrafe nach Kirchenrecht soll sie zur Aufgabe von mit der Kirchendoktrin unvereinbaren Auffassungen veranlassen. Pater Franz Schmidberger wurde 1979 Distriktoberer der Pius-Brüder in Deutschland. (kle)

Grund: Aus Sicht des Bistums hat die Bruderschaft gegen das Kirchenrecht verstoßen, für Algermissen ist die Weihe nicht gültig und eine bewusste Provokation der Kirche. Das Thema ist in Fulda heute zwar kein Tagesgespräch mehr, aber die Fronten bleiben verhärtet. Das Bistum verneinte gegenüber unserer Zeitung kategorisch die Frage nach einer möglichen Annäherung. Die Weihe hätte vom Bischof genehmigt werden müssen, ohne dessen Jawort hätte sie nicht stattfinden dürfen. Algermissen war seinerzeit so erbost über das Handeln der konservativen Bruderschaft, dass er den Apostolischen Nuntius und den Vatikan einschaltete. Allerdings, so räumt Bistums-Pressesprecher Christoph Ohnesorge ein, habe es aus Rom bis heute keine Antwort gegeben. Die Pius-Bruderschaft hält jeden Sonntag und jeden zweiten Samstag in der von ihr gekauften ehemaligen Gärtnerei eine Messe in lateinischem Ritus ab. Zu den Gottesdiensten kommen nach Schätzungen des Bistums zwischen 50 und 70, nach Angaben der Bruderschaft um die 100 Gläubige. Ohnesorge wies darauf hin, dass einige der Gottesdienstbesucher von weither kommen und nicht allein aus dem Raum Fulda.

„Notwehrsituation“

Heinz Josef Algermissen

Der Distriktobere der Bruderschaft, Pater Franz Schmidberger (63), der die Kapelle seinerzeit weihte, erklärte, seine Gemeinschaft habe niemanden in der Kirche provozieren wollen. Bei der Weihe habe er eine kirchliche Notwehrsituation geltend gemacht. In einem Interview unserer Zeitung hatte er sich dabei auf den letzten Kanon des Kirchenrechts berufen, nach dem das oberste Gesetz in der Kirche das Heil der Seelen sei. Dieses sei in Gefahr, unter anderem „wegen der neuen Liturgie und der Angleichung der Kirche an den Zeitgeist“. Der Gottesdienst der Pius-Brüder sei ein Dienst an den Seelen derer, die die „Messe in ihrer altehrwürdigen Form“ wollten.

Kirchturm abgelehnt

Franz Schmidberger

Die Stadt Fulda hat einen von der Bruderschaft beantragten Bau eines Kirchturms an der Kapelle abgelehnt. Eine Entscheidung, die die Pius-Brüder ohne weiteren Protest akzeptierten.

Übrigens: Auch das Bistum Fulda bietet seit drei Jahren Gottesdienste in Latein an. Am Pfingstsonntag feierte Bischof Algermissen ein lateinisches Pontifikalamt im Dom zu Fulda.

Von Peter Klebe

Quelle: HNA

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