Wen holt Bouffier in sein Kabinett? - Kommt Lucia Puttrich, kann Siebert nach Berlin

Bloß den Ruf nicht überhören

Wiesbaden. „Hier gibt es jetzt Heerscharen, die nachts nicht mehr das Fenster zumachen“, witzelt ein Christdemokrat, „sie könnten Bouffiers Ruf ja sonst überhören.“ Eine, die das nicht nötig hat, ist Eva Kühne-Hörmann. Die Nordhessin, die das Ministerium für Wissenschaft und Kunst leitet, gilt als sicheres Kabinettsmitglied auch unter einem Ministerpräsidenten Volker Bouffier. Ob sie im Zuge einer größeren Kabinettsumbildung im Haus an der Wiesbadener Rheinstraße bleibt oder den Ministerstuhl wechselt, dürfte zu den Geheimnissen von Noch-Innenminister Bouffier zählen - falls er selbst überhaupt schon entschieden hat, mit welcher Mannschaft er ab September das Land regieren will.

Als ziemlich unwahrscheinlich gilt in der Union jedoch, dass Kühne-Hörmann Bouffiers Platz einnimmt und sich künftig um Polizei, Feuerwehr und Sport kümmern wird. Zumal Innenstaatssekretär Boris Rhein als heißer Nachfolge-Kandidat gilt.

Das Innenministerium und auch das Umweltministerium muss Bouffier auf jeden Fall neu besetzen, da Umweltministerin Silke Lautenschläger (CDU) aussteigen will. Das wirft den Blick auf ihren Staatssekretär Mark Weinmeister aus Guxhagen: Er erhielt beim Parteitag in Willingen das zweitbeste Ergebnis bei den Beisitzerwahlen - die Partei ist mit dem Mann offenkundig zufrieden.

Aber Bouffier will die CDU ja weiblicher machen - deshalb werden Lucia Puttrich gute Chancen für ein Ministeramt in Wiesbaden eingeräumt. Die Bundestagsabgeordnete aus Nidda (Wetterau) war zuvor Bürgermeisterin und Präsidentin des Städte- und Gemeindebundes. Puttrich ist wie Eva Kühne-Hörmann neue Stellvertreterin Bouffiers im Landesvorstand.

Ein Wechsel Puttrichs nach Wiesbaden wäre die Stunde des nordhessischen CDU-Chefs Bernd Siebert. Er ist erste Nachrücker für den Bundestag. Es ist kein Geheimnis, dass der Verteidigungspolitiker, der 2009 aus dem Bundestag flog, zurück nach Berlin möchte.

Doch dürfte Bouffier noch viele Gespräche führen - auch über eine neue Leitung der Staatskanzlei. Amtsinhaber Stefan Grüttner (CDU) aus Offenbach zählt zu denen, die als Nachfolger von Fraktionschef Christean Wagner gehandelt werden, auch wenn der ganz und gar nicht amtsmüde ist. Mancher kann sich auch Ex-Kultusministerin Karin Wolff auf diesem Posten vorstellen. „Ein großes politisches Talent, auf das die CDU nicht verzichten sollte“, so ein Schwergewicht in der Partei.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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