Die Stadt Bad Nauheim lädt ab April zur Landesgartenschau ein - 26 Themengärten

Blumenpracht in Jugendstiljuwel

Jugendstildekor: Die Badehäuser im Bad Nauheimer Sprudelhofensemble sind reich verziert. Doch die Anlage bereitet der Stadt auch Sorgen. Foto: Wettlaufer-Pohl

BAD NAUHEIM. Selbst Minustemperaturen können den beiden dick eingepackten Gärtnern nichts anhaben. Sie schippen und pflastern im Goldsteinpark von Bad Nauheim, denn es sind nur noch vier Monate, bis die Landesgartenschau 2010 in der 31 000-Einwohner-Stadt im Wetteraukreis eröffnet wird. 26 Themengärten sollen bis dahin unter anderem fertig sein, um Gartenfreunde aus nah und fern Anregungen zu geben, auch der historische Kurpark wird einbezogen.

Mit Blick auf das 163 Tage währende Großereignis müssen auch die Kurgäste mal hinnehmen, dass rund 50 Baustellen im Stadtgebiet das Ambiente derzeit beeinträchtigen. Dafür, so Bürgermeister Bernd Witzel von der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG), werde es hinterher umso schöner. Witzel hofft auf mindestens 500 000 Besucher, vielleicht sogar 600 000. Schließlich habe man die ganze Rhein-Main-Region vor der Tür.

Schlägt die Schau laut Geschäftsführer Hartmut Kind mit 8,3 Millionen Investitions- und 6,1 Millionen Euro laufenden Kosten zu Buche, so investiert die Stadt drum herum ein Mehrfaches, um Bad Nauheim herauszuputzen. Deshalb scherzt Witzel: „Selbst wenn keiner kommt, hat die Stadt schon gewonnen.“

Sprudelhof

Sehenswert ist Bad Nauheim ohnehin, denn die Stadt ist ein Juwel des Jugendstils: Zwischen dem Goldsteinpark und dem vom berühmten Gartenarchitekten Heinrich Siesmayer Mitte des 19. Jahrhunderts gestalteten Kurpark liegt der Sprudelhof, Europas größte geschlossene Jugendstilanlage. Für 10,5 Millionen Reichsmark ließ Großherzog Ernst Ludwig zu Hessen ab 1903 den Sprudelhof bauen, dazu noch den Bahnhof, eine Wäscherei und ein Heizwerk, alles im Jugendstil, dessen bedeutende Vertreter der Großherzog 1899 auf der Darmstädter Mathildenhöhe versammelt hatte.

Das von Wilhelm Lost geschaffene Ensemble ist allerdings heute das größte Sorgenkind der Stadt, die das Hessische Staatsbad vor einigen Jahren übernahm. Denn auch wenn Touristen und Kunstexperten in helle Freude ausbrechen angesichts der prächtigen Architektur, des original erhaltenen Dekors der sieben Badehäuser, der Möbel und Fenster, so wünschte man sich in Bad Nauheim eine Idee, wie das Ensemble genutzt werden kann.

Die Zeiten, in denen hier Herz-Kreislauf-Patienten in 264 hölzernen Wannen im Heilwasser Genesung suchten, sind längst vorbei. Heute geht man ins Thermalbad oder nutzt die Einrichtungen von 17 Kliniken. Was die Pracht im Sprudelhof verdeckt, ist ein gänzlich marodes Rohrsystem im Keller.

Millionen für Restaurierung

Schätzungsweise 52 Millionen Euro braucht man, um das Ensemble zu restaurieren, Geld, das das Land auch in die Hand nehmen will - wenn ein Konzept auf dem Tisch liegt. Bürgermeister Witzel ist nicht einmal sicher, ob die Summe ausreicht, doch da erntet er Widerspruch: Norbert Kartmann (CDU), Landtagspräsident aus dem benachbarten Butzbach und Vorsitzender des Kuratoriums der von Stadt, Kreis und Land gegründeten Stiftung Sprudelhof: „Ich sag‘, es reicht!“

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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