Bouffier: Rücktritt von Guttenberg ist richtig

Wiesbaden. Der Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hat auch die Politiker in Hessen bewegt. Ministerpräsident und CDU-Vize Volker Bouffier bezeichnete die Entscheidung des CSU-Politikers am Dienstag in Wiesbaden als „eine richtige Entscheidung“.

Guttenberg habe einen schweren Fehler gemacht. „Mit seinem Rücktritt hat er die Konsequenzen daraus gezogen. Das verdient unser aller Respekt“, sagte er. Die Opposition begrüßte die Entscheidung des Verteidigungsministers. Der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel warf Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einem Wahlkampftermin in Idstein in der Nähe von Wiesbaden schwere Fehler vor. In der Affäre um Guttenberg habe sie in der Bewertung die moralische Orientierung verloren. „Sie muss wissen, dass Minister nicht über dem Gesetz stehen“, sagte Gabriel. Merkel habe bei der Behandlung der Krise versagt. „Es gab noch nie jemanden als Regierungschef, der so getan hat, als ob jemand im Privatleben im Zweifel stehlen darf - denn um nichts anderes geht es bei einem Plagiat - und trotzdem Minister sein darf.“

Bouffier sieht die Kanzlerin dagegen nicht beschädigt. Guttenberg habe sich nicht nur um die Reform der Bundeswehr große Verdienste erworben. „Seine hohe Beliebtheit in der Bevölkerung ist ein Ausweis dafür, dass es ihm gelungen ist, in der Politik Themen so anzusprechen, dass viele Menschen sich in ihm wiedergefunden haben.“

Die Hessen-SPD nannte den Rücktritt von Guttenberg überfällig. „Schummel cum laude“ müsse in Deutschland tabu bleiben, erklärte Generalsekretär Michael Roth. „Wenn sich Minister in diesem Land mit erschlichenen Doktorentiteln schmücken, ist das eine schallende Ohrfeige für alle ehrlichen Wissenschaftler.“

Die Linke sieht auch die hessischen Christdemokraten beschädigt. „Vasallen-Treue zum fränkischen Lügen-Baron lässt die hessische CDU alt aussehen“, urteilte Landtagsfraktionschef Willi van Ooyen. Er kritisierte, dass die Hessen-CDU Guttenberg vor kurzem bei einer Wahlkampfveranstaltung in Kelkheim noch umjubelt habe.

Das bemängelten auch die Grünen. „Volker Bouffier sollte einmal nachdenken, ob es wirklich klug war, als Ministerpräsident eines Landes mit zwölf Hochschulen zu sagen, dass Deutschland andere Probleme habe als „Fußnoten"“, sagte Fraktionschef Tarek Al-Wazir. Die Fälschung einer Doktorarbeit sei keine Lappalie. (dpa)

Quelle: HNA

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