Kultusministerin Henzler (FDP) löst mit Gesetzentwurf Welle der Ablehnung aus

Breites Nein zu Leihlehrern

Kassel / Wiesbaden. Der gestern bekannt gewordene Plan der hessischen Landesregierung, auch Leiharbeiter als Lehrer im regulären Unterricht einzusetzen, hat nicht nur in der Landespolitik eine heftige Kontroverse ausgelöst.

Auch die Leser unserer Zeitung diskutieren das Thema unterschiedlich. Allerdings zeichnete sich gestern bei einer nicht repräsentativen Online-Umfrage (586 Teilnehmer) eine deutliche Mehrheit gegen den Einsatz von sogenannten Leihlehrern ab.

Fast 80 Prozent der Umfrageteilnehmer antworteten: „Ich halte davon nichts. Die Schulen müssen versuchen, dauerhaft mit einem festen Lehrerstab den Unterricht zu gewährleisten.“ Immerhin 13,3 Prozent wollten dem Plan von Kultusministerin Dorothea Henzler mit der Einschränkung zustimmen, wenn die Leihlehrer „gut qualifiziert“ sind. Annähernd sieben Prozent stimmten der Idee zu, weil so die Schulen unter anderem in die Lage versetzt würden, bei Bedarf flexibel zu reagieren.

Unterdessen hat sich auch die Landesschülervertretung kritisch zu den entsprechenden Teilen des Gesetzesentwurfs geäußert. „Wirtschaftliche Instrumente sind nicht dazu da, staatliches Versagen bei der Lehrerversorgung zu kompensieren“, sagte der hessische Landesschulsprecher Tim Huß. Durch den Vorschlag, Leiharbeit an den Schulen zu etablieren, drücke sich Henzler vor ihrem Wahlversprechen, eine 105-prozentige Lehrerversorgung zu gewährleisten. Huß: „Wir Schüler wollen gescheite Lehrer und nicht von Leiharbeitsanbietern abhängige Hilfskräfte.“

Die Vorsitzenden der Grünen Jugend Hessen, Ouasima Chami und Benjamin Weiß, sagten: „Die schwarz-gelbe Koalition hat ihre eigenen bildungspolitischen Ziele offensichtlich längst über Bord geworfen.“ Die FDP hat ihre Pläne unterdessen noch einmal verteidigt. „Auch schon bisher ist es im Rahmen des Paragrafen 15a des geltenden Schulgesetzes möglich, auf qualifizierte Angebote von Personal-dienstleistern zurückzugreifen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der FDP im Landtag Wolfgang Greilich zu den Angriffen der Opposition auf den Entwurf der Schulgesetznovelle. Verträge mit Personaldienstleistern seien nichts Neues, der „Aufschrei der linken Seite mal wieder nur ein Reflex“.

Im Internetangebot unserer Zeitung wird der Plan der Kultusministerin teilweise heftig von Lesern kritisiert. Bis gestern Abend gab es keine einzige zustimmende Kommentierung des Vorhabens.

Vielmehr rieten zahlreiche Leser der Ministerin, mit gutem Beispiel voranzugehen - und künftig als Leihministerin zu arbeiten.

Von Jürgen Umbach

Quelle: HNA

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