Vor der Eröffnung der weltgrößten Bücherschau: Bücher kommen erst heute

Rauch-Kneer

Frankfurt. In den langen Gängen riecht es am Montag nach Reinigungsmitteln, die Böden schimmern feucht. Alles fertig? Mitnichten.

In den Hallen ist so gut wie kein Buch zu sehen, dafür ein Gewirr aus Kartons, Plastikfolien, Werkzeugen und Menschen, die bohren und schrauben und vom letzten Schliff weit entfernt sind. Nur im Pavillon des Gastlandes Argentinien wecken traumhaft schöne Landschaftsbilder Reiselust, die Multimedia-Monitore flimmern schon, weniger bunte Fotos erinnern an Argentiniens düstere Junta-Zeiten.

„Die Bücher kommen meist erst am Dienstag,“ sagt Gabi Rauch-Kneer, in deren Bürotrakt es zugeht wie im Taubenschlag. Schließlich ist die 49-Jährige die Managerin der Messe, die heute Abend um 17 Uhr von Argentiniens Präsidentin Kristina Kirchner und Vizekanzler Guido Westerwelle eröffnet wird.

Am Mittwoch geht’s dann fürs Fachpublikum los, bevor am Wochenende das private Publikum die Hallen stürmt. Allein 300 von Buchhändlern organisierte Busse werden erwartet. Doch die gebürtige Witzenhäuserin scheint die Ruhe selbst. „Planung ist alles, dann hat man keine schlaflosen Nächte.“ Die gelernte Übersetzerin muss es wissen, sie ist seit 1985 dabei - erst in der Pressestelle und dann im Messemanagement, das sie seit drei Jahren leitet. Die Teamarbeit sei das Schönste am Job.

Die knapp 7000 Aussteller auf rund 172 000 Quadratmetern so zu verteilen, dass alle zufrieden sind, gehört dazu. Bis vor zehn Jahren stand sie mit ihren 25 Mitarbeitern noch mit Stecknadeln und Kärtchen vor einem riesigen Plan, inzwischen werden die zwischen vier und 1000 Quadratmeter großen Stände am Computer verteilt.

Die eigentliche Arbeit für eine Buchmesse beginnt natürlich viel früher, „der Vorlauf dauert mindestens ein Jahr“. Und längst geht es hier nicht mehr nur um Bücher, Hörbücher und Computerspiele: Das elektronische Buch sei ein Thema, bei dem Frankfurt der Branche Orientierung bieten wolle. Dabei ist die Mutter zweier Leseratten im Alter von 15 und 18 Jahren sicher, „dass das gedruckte Buch noch ganz lange lebt“.

Rauch-Kneer, die sich in den Hallen blind auskennt, bemüht sich, „so viel wie es geht zu sehen“. Ausruhen kann sie sich später. Zum Beispiel bei ihren Eltern in Witzenhausen. Weitab von Frankfurt lässt sie dort „die Seele baumeln“.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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