Interview mit Florian Meerheim über Probleme schwuler und lesbischer Polizisten

„Das Macho-Denken lässt nach“

HANAU. Trotz prominenter Vorreiter ist das Outing für Homosexuelle in der Polizei immer noch nicht selbstverständlich. „Für viele ist es schwer, die eigene Sexualität zuzugeben“, sagte Florian Meerheim, stellvertretender Vorsitzender des Verbands lesbischer und schwuler Polizeibediensteter in Hessen. Er besteht jetzt seit 15 Jahren.

Ist es problematisch als Schwuler oder als Lesbe bei der Polizei?

Meerheim: Man kann nicht sagen, dass es beispielsweise auf einer ländlich gelegenen Dienststelle per se schlimmer als in der Stadt ist. Es kommt auch auf die Persönlichkeit an, wie sehr das Homosexuelle ausgelebt und nach außen gekehrt wird.

Wie sind ihre Erfahrungen?

Meerheim: Ich habe keine Probleme. Innerhalb der Polizei sind wir auf einem guten Weg. Es ist noch nicht alles erreicht. Aber zu Jahresbeginn wurden wir im hessischen Beamtenrecht gleichgestellt und bekommen nun auch einen Familienzuschlag.

Wenn es zu Diskriminierungen kommt: Wie schwer artet das aus?

Meerheim: Man muss sich seine Kollegen zum Teil zurecht erziehen. Man darf sich nicht so schnell in der Opferrolle sehen. Aber man muss auch aufpassen, dass es nicht ausartet, wenn einer mal schwule Sau sagt. Bei einem Mann vom Bundeskriminalamt, der sich geoutet hatte, ging das Mobbing in Wiesbaden aber auch schon mal so weit, dass er sich angezündet und umgebracht hat.

Haben zu wenig homosexuelle Polizisten den Mut, sich zu outen?

Meerheim: Ja, das ist eines der größten Probleme. Polizist gilt eher als richtig männlicher Beruf. Bei der Polizei muss man immer der Starke sein - diese Meinung herrscht oftmals vor. Dennoch ist der Job für Schwule und Lesben nicht ungeeignet. Das Machodenken lässt nach.

Haben sich zuletzt denn zunehmend Polizisten ein Herz gefasst und sich zu ihrer Lebensart bekannt?

Meerheim: Das hört man immer wieder hier und dort. Wir können aber keine Zahlen nennen.

Wird von der Politik genug für Homosexuelle gemacht?

Meerheim: Es ist schon viel passiert. Es gibt mittlerweile fast flächendeckend Ansprechpartner bei der Polizei in Hessen. In Osthessen gibt es noch keinen, dort wurde noch niemand benannt. Das macht wohl der Bischof selbst. (lhe)

Von Jörn Perske

Quelle: HNA

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