Kirchen-Dienstwagen im Klimatest

Dienstwagen: Hessische Bischöfe sind Klimasünder

Kassel/Hannover. Jahrelang hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Dienstwagen deutscher Politiker unter die Lupe genommen, um die schlimmsten Spritschlucker und CO2-Schleudern anzuprangern. Jetzt sind die Fuhrparks der evangelischen und katholischen Landeskirchen dran.

Hat 306 PS: Der BMW 740d. Ein solches Modell fährt Dr. Martin Hein, Bischof der Landeskirche von Kurhessen-Waldeck. Foto: dpa

Das Ergebnis ist durchwachsen: „Viele Bischöfe predigen richtigerweise die Notwendigkeit des Klimaschutzes – haben aber selbst Benzin im Blut“, sagt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH. Auch Dr. Martin Hein, den Bischof der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, sortiert Resch in diese Gruppe ein. Hein gilt als PS-König zumindest unter jenen Bischöfen, die den Testern geantwortet haben: Sein BMW 740d hat 306 PS und schafft Tempo 250. Auch der 350er-Mercedes des katholischen Kollegen aus Fulda, Bischof Heinz Josef Algermissen, ist mit 265 PS für 250 Sachen gut - bei Verbrauch und CO2-Ausstoß aber etwas weniger klimaschädlich.

Unterm Strich hält die DUH die Limousinen des kirchlichen Spitzenpersonals überwiegend für übermotorisiert: 26 der befragten 46 Landeskirchen erhalten die „rote Karte“. Vorneweg sieben katholische Bistümer und Erzbistümer vor allem in Süddeutschland sowie die Lippische Landeskirche, die die Umfrage schlicht ignorierten.

Korrektur-Hinweis: Zunächst hatten wir einen Spritverbrauch in Litern/Kilometer angegeben. Gemeint war - wie nun im Text steht - Liter pro 100 Kilometer. Wir bitten um Entschuldigung.

Gleich dahinter setzt die DUH als warnende Beispiele Kardinal Karl Lehmann (Bistum Mainz, Mercedes R350 CDI, 265 PS) sowie Essens Bischof Franz-Josef Overbeck und Ralf Meister, seinen Kollege von der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, die sich im VW Phaeton 3.0 V6 TDI (240 PS) fahren lassen. Mercedes und Phaeton schlucken pro 100 Kilometer im Schnitt mindestens 8,5 bis 9 Liter Sprit und blasen mehr als 220 Gramm CO2 in die Luft. Negativrekord im Test, rügt die DUH, weit jenseits der 140 Gramm CO2, die Europas Pkw-Bauer sich einst bis 2009 als Flottenziel gesetzt hatten. Grüne Lobkärtchen gab’s nur vier: Die Spitzenleute der evangelischen Kirchen in Bremen, Westfalen, Schaumburg-Lippe und Braunschweig bleiben mit ihren Karossen unter besagten 140 Gramm CO2/km. Das schaffen sie im erdgasbetriebenen VW Touran und in eher kleineren Diesel-Pkw (E 220/250 CDI) von Mercedes.

Mehr Informationen:

- Bischofsdienstwagen im Klimatest - Ranking der Deutschen Umwelthilfe (PDF)

- DAT-Leitfaden zum Verbrauch und CO2-Ausstoß aktueller deutscher Automodelle (PDF)

- Artikel: Das Gezerre um die EU-Zielwerte für die CO2-Emissionen der PKW

Resch fordert die Kirchengemeinden auf, jenseits aller Klimarettungs-Sonntagsreden das Dienstwagenthema breit zu diskutieren: „Die Kirchen zählen mit ihren vielen tausend Gemeinden und ihren sozialen Einrichtungen zu den größten Arbeitgebern in Deutschland. Entsprechend verantwortungsvoll und vorbildhaft sollten sie sich auch in Umweltfragen verhalten.“

Während etliche Bischöfe gar nicht antworteten, rückte Ulrich Fischer, evangelischer Bischof von Baden, seinen 245-PS-BMW in etwas milderes Licht: Ins Büro nach Karlsruhe, ließ er wissen, komme er per Bahn und Fahrrad.

Das sagt der Kasseler Bischof

Dr. Martin Hein, Landeskirche Kurhessen-Waldeck.

Dr. Martin Hein, Bischof der evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, fährt erstens gerne Bahn. Und seinen 740er-BMW (183 Gramm CO2/km) - einen Dienstwagen mit Fahrer - dürfen zweitens auch andere Kirchenmitarbeiter nutzen, heißt es aus dem Landeskirchenamt zum DUH-Check. Zugegeben, der Test habe intern doch für "heftige Diskussionen" gesorgt, weil die Kirchenspitze ja immerhin Standards setze, räumt Heins Sprecher Roland Kupski ein. Andererseits sei das Bischofsamt eben kein Bürojob, sei Martin Hein in Hessen viel und oft unterwegs. Nicht alles gehe per Bahn - und der BMW sei so geräumig, dass man darin unterwegs auch arbeiten könne, sagt Kupski. (wrk)

Das sagt der Fuldaer Bischof

Heinz Josef Algermissen, Bistum Fulda. Fotos: dpa

Die gelbe Karte der DUH für Heinz Josef Algermissens 265 PS starken Dienst-Mercedes (168 Gramm CO2/km) rücke den ganzen Fuhrpark "noch eher in den Fokus bei der Suche nach Verbesserungspotential in Sachen Klimaschutz", heißt es aus Fulda. Es komme aber nicht nur auf das Auto an. "Neben der Minimierung der im Pkw zurückgelegten Kilometer, der Bildung von Fahrgemeinschaften und Kombination von Fahrten kann auch eine sparsame und vorausschauende Fahrweise Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß bis zu 20 % reduzieren." Beim Klimaschutz an Gebäuden habe das Bistum schon viel getan. Bei längeren Dienstreisen gelte fürs Kirchenpersonal Bahnpflicht. (wrk)

Quelle: HNA

Kommentare