Eberbach-Stiftung: Versäumnis ihrer Vorgänger fällt Lucia Puttrich auf die Füße

Dubiose Rechnungen vertuscht?

Wird der Hessen-CDU zur Last: Markus Hebgen (44). Foto: ap

Wiesbaden. Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Lucia Puttrich (CDU) ist derzeit nicht zu beneiden. Denn der Fall, mit dem sich die erst seit August amtierende Ministerin herumschlagen muss, liegt Jahre zurück. Im Mittelpunkt: Markus Hebgen, 2006 von der CDU-Fraktion im Mainzer Landtag auf den Geschäftsführerposten der Stiftung Kloster Eberbach gewechselt. Er hat nicht nur, wie schon länger bekannt, rund 31 000 Euro an Stiftungsgeldern in die eigene Tasche gesteckt. Der im Frühjahr zu einer Bewährungsstrafe Verurteilte hat auch Rechnungen in Höhe von knapp 40 000 Euro bezahlt, für die Gegenleistungen nicht ersichtlich waren. Letzteres wurde allerdings erst jetzt durch die Staatsanwaltschaft Mainz bekannt. Für die Opposition ist dies Anlass zu drängenden Fragen, denn Hebgen ist auch in den rheinland-pfälzischen CDU-Finanzskandal verstrickt. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass er mit den Stiftungsgeldern Rechnungen für die rheinland-pfälzische CDU beglichen hat.

Puttrich dementierte umgehend, dass Gelder aus Eberbach an die CDU in Mainz geflossen seien. Dies hatte allerdings auch niemand so behauptet. Die Rede war viel mehr von einer Umwegfinanzierung, da das Geld an eine PR-Agentur ging, die für die Mainzer tätig war. Die Gelder wurden 2008 und 2009 nach zwei außergerichtlichen Vergleichen an die Stiftung zurückgezahlt.

Als der SPD-Abgeordnete Günter Rudolph im März 2010 in einer kleinen Anfrage hatte wissen wollen, welchen Schaden Hebgen bei der Stiftung verursacht habe, war in der Antwort der damaligen Agrarministerin Silke Lautenschläger (CDU) nur von dem für private Zwecke veruntreuten Betrag die Rede, der inzwischen ebenfalls zurückgezahlt wurde. Ganz offensichtlich, so Günter Rudolph (SPD), habe der zweite Fall vertuscht werden sollen. Auch Puttrich konnte gestern nicht erklären, warum dieser Fall im März nicht erwähnt wurde.

Laut Puttrich stieß die Stiftung auf diese Rechnungen, nachdem Hebgens Griff in die Kasse entdeckt worden war. Das Stiftungskuratorium unter Leitung des damaligen Ministers Wilhelm Dietzel (CDU) habe einen Buchprüfer beauftragt und die Unterlagen anschließend der Staatsanwaltschaft übergeben. Diese habe damals erklärt, der Rechtsbeistand Hebgens habe eine plausible Erklärung für die Rechnungen abgegeben.

Puttrich betonte, dass damals noch nichts über Hebgens Machenschaften in Mainz bekannt gewesen sei. Deshalb habe man auch keinen Zusammenhang mit der CDU dort herstellen können.

Die Opposition in Hessen bezweifelt das freilich. Sie will deshalb weiter bohren.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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