Hirschkäfer kämpfen erbittert um Weibchen - Neues Meldenetz für seltene Tierart

Duell am Eichenstamm

Der Hirschkäfer gehört zu den größten seiner Art in Europa. Seinen Namen erhielt er wegen seines geweihartig vergrößerten männlichen Oberkiefers. Foto: Coordes

Kassel. Sie fliegen im Kasseler Bergpark und in der Fuldaaue. Sie schwirren fast aufrecht durch die Luft, damit ihr schweres Geweih sie nicht nach vorn plumpsen lässt.

Und sie sind so selten, dass sie schon seit mehr als 70 Jahren auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen: die Hirschkäfer. Für sie hat Hessen-Forst mit Sitz in Kassel jetzt ein Meldenetz aufgebaut.

Die erste Bilanz sieht relativ gut aus: „Die Art ist in Hessen vergleichsweise weit verbreitet“, sagt der Leiter des Artenteams von Hessen-Forst, Christian Geske. Jedes Jahr werden etwa 200 Hirschkäfer gemeldet. Viele sind das trotzdem nicht. „Deswegen brauchen wir jeden einzelnen“, betont der Biologe: „Nur da, wo wir wissen, dass es Hirschkäfer gibt, können ihn die Planer zum Beispiel beim Straßenbau berücksichtigen.“

Vor allem in der Rhein-Main-Ebene sind sie verbreitet. So mussten für die Wartungshalle des Super-Airbus A-380 ganze Baumstümpfe mit Hirschkäfer-Larven umziehen. Relativ selten ist das Tier in Nord- und Osthessen. Dort ist es dem Käfer nämlich zu kalt und zu nass. Nur an den besonders sonnigen Hängen von Lahn, Eder und Fulda, im Kasseler Bergpark Wilhelmshöhe, in der Fuldaaue sowie in warmen Gärten mit alten Bäumen gibt es Funde. Dagegen wird aus Waldeck-Frankenberg, der Rhön und dem Reinhardswald nichts gemeldet.

Dafür verirren sich Hirschkäfer manchmal mitten in die Stadt: Auf dem Balkon im siebten Stock eines Rüsselsheimer Hochhauses verfing sich ein Hirschkäfer im Katzennetz. In der Frankfurter Commerzbank-Arena wurde ein Exemplar entdeckt. Und in einem Rotenburger Getränkemarkt landeten zwei Käfer an der Decke. „Die haben sich wohl verflogen“, vermutet Geske.

Um zu überleben, braucht der Hirschkäfer eigentlich totes Holz. Am liebsten sind ihm Baumstümpfe von Eichen, die nicht nur in Wäldern, sondern auch in Parkanlagen und Gärten stehen können. An den Stümpfen legt das Weibchen in 25 Zentimetern Tiefe seine Eier ab. Die bis zu zwölf Zentimeter großen Larven - übrigens bei Wildschweinen als Delikatessen auf der Speisekarte - ernähren sich nämlich von morschem Holz, bis sie sich in einem faustgroßen Kokon verpuppen und zum Käfer werden. Für diese Entwicklung brauchen sie fünf bis acht Jahre. Dagegen leben sie nur wenige Wochen im Sommer über der Erde.

Aber in dieser Zeit geht es richtig rund: Zunächst duellieren sich die Männchen mit ihren Geweihen. Der Verlierer der Schaukämpfe fliegt vom Baum - natürlich nicht freiwillig. Der Gewinner darf sich anschließend mit einem der wartenden Weibchen paaren. Und das dauert dann ganze drei Tage.

Von Gesa Coordes

Quelle: HNA

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