Verleihung des Hessischen Verdienstordens mit einigen Besonderheiten

Geehrt: Gerold Dieke

Wiesbaden. Sie sind 2009 aus dem Dienst geschieden, doch kürzlich trafen sich die früheren Regierungspräsidenten Lutz Klein (CDU/Kassel), Wilfried Schmied (CDU/Gießen) und Gerold Dieke (FDP/Darmstadt) noch einmal in der Staatskanzlei.

Denn Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hatte entschieden, die Pensionäre mit dem Hessischen Verdienstorden auszuzeichnen: Eine Ehre, die seit 1989 Menschen zuteilwird, die sich um Hessen höchste Verdienste erworben haben. Die Frage, ob die drei Herren als Regierungspräsidenten nicht einfach nur ihren Job gemacht haben, für den sie bezahlt worden sind, findet Regierungssprecher Dirk Metz (CDU) unangemessen: Alle drei hätten mit hohem persönlichen Einsatz in ihrem Amt weit mehr für Hessen, ihre jeweiligen Regionen und die Menschen getan, als es ihre Pflicht gewesen sei. Und alle drei seien zudem ehrenamtlich tätig gewesen. Lutz Klein etwa habe sich maßgeblich für wichtige nordhessischen Infrastrukturprojekte eingesetzt und sei in Politik sowie der katholischen Kirche ehrenamtlich tätig gewesen.

Nun mag sich mancher fragen, ob alle Menschen in Nordhessen den Einsatz für Kassel-Calden oder die A 44 verdienstvoll finden, die Projekte sind ja durchaus umstritten. Andererseits sind die Regierungspräsidenten keineswegs die Einzigen, die für ihr berufliches Wirken geehrt worden sind. Ex-hr-Intendant Klaus Berg, Ex-FAZ-Herausgeber Hugo Müller-Vogg, die verstorbenen Oberbürgermeister Karl Branner (SPD/Kassel) und Hanno Drechsler (SPD/Marburg) haben ihn auch. Auch der späteren Linken-Politikerin Luc Jochimsen heftete Roland Koch den Orden an, als sie 2001 als hr-Chefredakteurin ausschied. Und wer würde bestreiten, dass Heinz Schenk zum Ruhme Hessens gebabbelt hat, obwohl das auch sein Broterwerb war?

Natürlich gibt es auch Ordensträger, die ausschließlich ehrenamtlich tätig waren.

Seit 2002 gilt, dass Ministerpräsidenten automatisch Träger des Verdienstordens sind, um mit den Geehrten auf Augenhöhe zu sein. Das gilt selbstredend nicht für den Erfinder der Regel, Roland Koch. Der wird ihn sicher später auch noch bekommen. So wie einst Albert Osswald, Holger Börner, Hans Eichel (alle SPD) und Walter Wallmann (CDU).

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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