Hessen will alle Häuser auf Tauglichkeit für solare Energie-Erzeugung testen

Einfach zum Sonnenstrom

Martina Klärle, Professorin in Frankfurt und Entwicklerin der Sun-Area-Kataster. Foto: nh

Kassel / Wiesbaden. Wer in Hessens Landeshaupstadt Wiesbaden seinen Strom selbst machen will, hat es gut: Ein Klick ins Internet - schon kann jeder hausnummerngenau sehen, ob sein Dach sich für den Betrieb einer Fotovoltaik-Anlage gut, sehr gut oder eher nicht eignet.

Die Landesregierung arbeitet daran, solche Solarkataster bald landesweit anzubieten. Möglich machen die Suche nach Wiesbadens Sonnendächern hochauflösende Laserscannerdaten, die die Stadt 2006 bei einer Befliegung gewonnen hat. Dach für Dach wurde so Daten zur Flächengröße und -neigung, Himmelsrichtung, Verschattung, Sonneneinstrahlung durch den Rechner geschickt. Das Ergebnis: Wiesbaden als ein Mix aus roten, orangefarbenen, gelben und grauen Rechtecken - von „sehr solartauglich“ bis „nicht berechenbar“.

Wer also sein Dach tiefrot wiederfindet, kann laut Stadt im Schnitt mehr als 95 Prozent der Sonneneinstrahlung ernten. Und dieses Kataster gibt es nicht nur für Fotovoltaik-, sondern auch für Solarthermieanlagen zur Warmwassergewinnung direkt vom Hausdach.

Landesweit sollen solche Laserscan-Flüge dieses Jahr starten und bis 2012 flächendeckend abgeschlossen werden. Städte, Unis oder Firmen, so das Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation in Wiesbaden, könnten die Daten zu kommunalen Solarkatastern verarbeiten. Frankfurt plant es schon. Geflogen wird nicht nur für die Solarenergie: 3D-Daten brauchen auch Archäologen, Denkmal- oder Hochwasserschützer.

Der schlaue Kopf hinter der Solarkataster-Idee heißt Martina Klärle, Professorin im Studiengang Geoinformation und Kommunaltechnik an der Fachhochschule Frankfurt. Sie hat für ihr Forschungsprojekt Sun-Area 2009 den Deutschen Solarpreis erhalten. Klärles Arbeit hat die Standortanalyse für Fotovoltaik-Dächer und die Anfertigung von interaktiven Karten entscheidend vorangebracht: „Meine Vision ist es, dass alle sehr gut geeigneten Dachflächen genutzt werden, um Solarstrom zu gewinnen“, sagte sie „Nano“.

Hessen will bis 2020 auf einen 20-prozentigen Anteil der erneuerbaren Energien kommen - dafür soll die momentane Strom- und Wärmeerzeugung aus Sonnenenergie verzwölffacht werden. Solarkataster machen die Nutzung der Sonnenenergie auch Laien einfach. Der Sitz von Umweltministerin Silke Lautenschläger (CDU) an der Mainzer Straße zum Beispiel wäre für Solarstrom „gut geeignet“. Dasselbe Ergebnis wirft das Wiesbadener Solarkataster für den Hessischen Landtag und die meisten anderen Ministerien aus. Und das Dach des Wissenschaftsministerium der Kasselerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) an der Rheinstraße übrigens würde sogar „sehr gut“ fürs Strommachen aus Sonnenenergie taugen.

Von Wolfgang Riek

Quelle: HNA

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