Entschädigung für Missbrauchsopfer: Reformbewegung kritisiert zögernde Bischöfe

Fulda. Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ hat die katholischen Bischöfe für ihr Zögern bei der Entschädigungsfrage für Missbrauchsopfer kritisiert. „Die Menschen erwarten ein deutliches „Ja“ - und kein „Vielleicht".

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Das sagte Christian Weisner vom Bundesteam der Bewegung am Dienstag in Fulda. Die ausweichenden Antworten des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Robert Zollitsch, in der strittigen Diskussion seien „nicht überzeugend“ gewesen. Ein Problem sei, dass die Haltung und Erneuerungsbereitschaft in den 27 deutschen Bistümern sehr unterschiedlich ausgeprägt seien. Die Leitlinien für den Umgang mit sexuellem Missbrauch reichten nicht.

Die Höhe der Zahlungen festzulegen, sei heikel, sagte Weisner. Aber er erwarte eine klare Bereitschaft von der Kirche, Geld in die Hand zu nehmen. Wichtig sei dabei, dass nicht Kirchensteuer-Gelder benutzt würden, sondern die Zahlungen aus dem Haushalt der Bischofsstühle gespeist werden müssten. „Wir sind Kirche“ forderte zudem, dass sich die Bischöfe nicht nur bei den Betroffenen entschuldigten, sondern auch um Vergebung bitten sollten.

Bei der Herbst-Vollversammlung in Fulda sollten sich die Bischöfe auch der Frage der sexuellen Enthaltsamkeit von Priestern widmen, forderte die seit 15 Jahren bestehende Reformbewegung. „Wir brauchen eine Zölibatsdebatte - allein schon wegen des Priestermangels“, sagte Weisner. Die Gemeinden würden immer größer, und immer weniger Geistliche stünden zur Verfügung. Den Bischöfen wünschte „Wir sind Kirche“ Kraft für einen Neuanfang. „Die Bischöfe müssen offen reden können, ohne von Rom abgestraft zu werden“, sagte Weisner. (dpa)

Quelle: HNA

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