Im Oberrheingraben gibt es immer wieder leichte Erdbeben - Geologe: Kein Anlass zur Besorgnis

Erde bebte in Südhessen

Frankfurt. Es geschah in der Nacht zum Dienstag um genau 2.42 Uhr: In einigen Häusern in der Nähe des Frankfurter Flughafens wackeln Vasen und Geschirr, Schränke vibrieren.

Betroffen sind auch die südlichen und westlichen Stadtteile. Die Ursache: Ein leichtes Erdbeben. Es ist im gesamten Raum Frankfurt bis in die Gebiete westlich von Darmstadt sowie im Raum Rüsselsheim und Wiesbaden zu spüren. Besorgte Bürger rufen bei Polizei und Feuerwehr an. Die Anwohner kamen mit dem Schrecken davon. Meldungen über Sachschäden oder gar Verletzte gingen nicht ein. Die Feuerwehren mussten nicht ausrücken. Das rheinland-pfälzische Landesamt für Geologie und Bergbau (LGB) maß eine Stärke von 3,4 auf der nach oben offenen Richterskala, das Deutsche Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam meldete 3,7. Das Epizentrum lag bei Hattenheim westlich des Flughafens.

Leichte Erdstöße sind nach Angaben des Leitenden Geologiedirektors beim LGB Rheinland-Pfalz, Dr. Friedrich Häfner, in dieser Region nichts Ungewöhnliches. Sie liegt in der Oberrheinischen Tiefebene, dem Oberrheingraben. Dieser Graben verläuft auf einer Länge von rund 300 Kilometern zwischen Frankfurt und Basel. Eine Platte unter Afrika schiebe sich gegen die europäische, dahinter erstrecke sich der Graben.

In dem Bereich senke sich die Erde leicht ab. Aufgrund der geologischen Strukturen ist der gesamte Raum ein so- genanntes Gebiet erhöhter Seismizität, erklärte Häfner im Gespräch mit unserer Zeitung weiter. Dort seien immer wieder unterirdische Bewegungen zu messen. Seismografen melden die leichten Erdstöße an das Landesamt, wo sie dokumentiert werden. Meist seien die Beben unterhalb des Wertes drei auf der Richterskala und würden ohne Messgeräte nicht wahrgenommen. Das gelte für 98 Prozent der Erdstöße.

Nicht auszuschließen seien in dem Bereich auch Beben der Stärke vier und mehr, die je nach Strukturen der Gebäude für Schäden sorgen könnten. Allerdings seien Beben dieser Größenordnung sehr unwahrscheinlich, bislang habe es noch keine gegeben. Auch das jüngste Beben sei kein Anlass zur Besorgnis. Die Messgeräte zeichneten beim Beben in der Nacht zum Dienstag einen Zeitraum von 30 bis 40 Sekunden auf. Wirklich zu spüren war es nur zehn bis 15 Sekunden. Der Geologiedirektor schätzt, dass es in fünf bis sechs Kilometer Tiefe vonstattenging.

Auch in anderen Bereichen Deutschlands gibt es immer wieder leichte, kaum oder gar nicht wahrnehmbare Erdstöße. Ein Beben mit Gebäudeschäden habe es seit dem Jahr 1869 nicht mehr gegeben, ergänzte das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie. Vorauszusagen sind die Beben nur schwer. Häfner: „Da stecken wir noch in den Kinderschuhen.“

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Quelle: HNA

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