Fragen zur Wahl des Vize-Landespolizeichefs

Erneut Ärger für Innenminister Bouffier

Hessens Innenminister Volker Bouffier (CDU). Foto: Archiv

Wiesbaden. Nachdem Innenminister Volker Bouffier (CDU) Anfang Februar die neue Führungsriege der hessischen Polizei vorgestellt hatte, bekam er ein Problem wegen der Entlassung von Polizeipräsident Wilfried Henning. Nach Medienberichten ist nun auch die Besetzung des Vize-Landespolizeipräsidenten zumindest pikant.

Eine Lesart des Berichts der Frankfurter Neuen Presse (FNP) zur Besetzung durch den zuletzt in Thüringen tätigen Hermann-Josef Klüber (54): Klüber brauchte einen Job, weil der damalige thüringische Innenminister Karl Heinz Gasser (CDU) Klüber die Abteilungsleiterstelle Polizei zu eigenmächtig zugeschoben hatte. Klüber konnte das Amt 2005 bis 2008 nur kommissarisch ausüben und wurde nach Gassers Abgang 2008 zur Staatsanwaltschaft Jena abgeordnet. Jetzt zogen die alten Verbindungen zu Gasser, der wiederum mit Volker Bouffier eine Kanzlei in Gießen betreibt. Bouffiers anwaltliche Tätigkeit ruht. Gasser vertritt Klüber aber bei einer Klage gegen Thüringen.

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Die andere Lesart: Klüber ist ein für den Posten des zweithöchsten Polizisten Hessens höchst geeigneter Mann. „Da gibt es nicht so viele“, sagt Bouffiers Sprecher Michael Bußer. Die Kombination eines Juristen mit einem Polizeipraktiker - gemeint ist Klübers neuer Chef Norbert Nedela - sei in Hessen Usus. Die Klage sei Klübers Privatsache. Der 54-Jährige ist Jurist, geboren in Fulda und nach Stationen bei Staatsanwaltschaften in Bayern und Hessen 1995 nach Thüringen gekommen. Bouffier meinte, Klüber habe die Polizei „aus einem anderen Blickwinkel kennengelernt“.

Hört man sich in Thüringen um, hat Klüber vor allem Erfahrung mit Konkurrentenklagen, die im Thüringer Innenministerium indes keine Seltenheit sein sollen. Dennoch: „Jetzt knallen bei uns die Sektkorken“, rief ein Polizist, als er gestern von Klübers Anstellung in Hessen erfuhr. Denn der Mann soll sich bei der Polizei in höchstem Maße unbeliebt gemacht haben, keiner habe ihn zurückhaben wollen. „Am meisten zu tun hatten damals die internen Ermittler, weil er zig Polizisten mit strafrechtlichen Verfolgungen überzog.“

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Ein Insider sieht dafür aber hauptsächlich Ex-Innenminister Karl Heinz Gasser verantwortlich, der damals vergeblich versucht habe, die traditionell schwierigen Verhältnisse bei der Thüringer Polizei in den Griff zu bekommen: „Gasser ist Jurist, der kam immer gleich mit dem Strafrecht.“ Einmal sei sogar das Haus eines hohen Polizisten überflogen worden, um zu schauen, ob er wirklich krank war. Erfolgreich sei das Duo Gasser/Klüber indes mit solchen Methoden nicht gewesen.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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