Ex-LKA-Chefin Thurau muss wegen Falschaussage vor Gericht

Frankfurt. Vom Zeugenstand auf die Anklagebank: die frühere LKA-Chefin Sabine Thurau muss sich wegen uneidlicher Falschaussage vor Gericht verantworten. Sie soll als Zeugin gelogen haben. Im Frühjahr könnte der Prozess gegen sie beginnen. Und es könnte nicht der letzte sein.

Neues Kapitel im langen Rechtsstreit um die frühere Präsidentin des hessischen Landeskriminalamts (LKA), Sabine Thurau: Nach dem Wiesbadener Verwaltungsgericht wird sich nun auch das Landgericht in Frankfurt mit Vorwürfen gegen die ehemalige Spitzenpolizistin beschäftigen. Gegen Thurau ist nach Angaben des Gerichts vom Freitag Anklage wegen uneidlicher Falschaussage erhoben worden. Die 56-Jährige soll als Zeugin vor Gericht gelogen haben. Während Ermittlungen wegen Verdachts der Verfolgung Unschuldiger bereits eingestellt wurden, wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft nach wie vor wegen Anstiftung zum Geheimnisverrat ermittelt.

In Bedrängnis: Ex-LKA-Chefin Sabine Thurau

Thurau soll vor zwei Jahren als damalige Vizepräsidentin der Frankfurter Polizei in einem Spesenbetrugs-Prozess gegen einen Beamten die Unwahrheit gesagt haben. Die Anklage sei bereits am 30. September bei Gericht eingangen und werde nun zugestellt.  Sollte es zum Prozess gegen Thurau kommen, geht der Sprecher von einem Prozesstermin im Frühjahr 2012 aus. Der Anwalt Thuraus wollte die erhobene Anklage auf Nachfrage zunächst nicht kommentieren. Thurau war im Frühjahr 2010 vom damaligen Innenminister und heutigen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU) als erste Frau an die Spitze eines LKA berufen worden. Nach heftigen Mobbing-Vorwürfen aus den Reihen der Frankfurter Polizei hatte Thurau ihr Amt als LKA-Chefin ruhen lassen und war ins Innenministerium abgeordnet worden. Zum 30. September wurde sie endgültig entlassen. Dagegen wehrt sie sich vor dem Verwaltungsgericht in Wiesbaden.

Im Falle einer Verurteilung wegen uneidlicher Falschaussage muss die frühere Spitzenbeamtin mit einer Geldstrafe rechnen. Die Höchststrafe für uneidliche Falschaussage liegt bei fünf Jahren Gefängnis. Dem Hauptkommissar, gegen den Thurau aussagte, war vorgeworfen worden, auf einer Dienstreise nach Brasilien zu Unrecht mit einem Mietwagen privat die Küste bereist und dem Land Hessen damit einen Schaden von 572 Euro zugefügt zu haben. Thurau war damals Vize- Präsidentin des Frankfurter Polizeipräsidiums und hatte als Vorgesetzte gegen ihn ausgesagt.

Thurau soll einem Kollegen des Angeklagten bei einer entsprechenden Zeugenaussage Straffreiheit zugesichert haben. Als sie im Prozess danach gefragt worden sei, habe sie dies laut Staatsanwaltschaft verneint. In einem weiteren noch nicht eingestellten Verfahren wegen Anstiftung zum Geheimnisverrat wird untersucht, ob Thurau von LKA-Beamten mit vertraulichen Informationen versorgt wurde. (dpa/rpp)

Quelle: HNA

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