Betonklotz weicht: Frankfurt will seine 1944 zerstörte Altstadt wieder aufbauen

Fachwerk im Herzen

Frankfurt. Glitzernde Bankentürme und anheimelnde Fachwerkromantik, dazwischen, ausgerechnet im früheren Herzen der 1944 im Bombenhagel untergegangenen Altstadt, die heute verpönte 70iger-Jahre-Betonarchitektur.

Doch mit Letzterem ist jetzt absehbar Schluss. Gestern Morgen setzte sich Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) persönlich auf den Abrissbagger, um dem Betonungetüm zwischen Dom und Römerberg zu Leibe zu rücken: das Technische Rathaus, 1972 als typisches Werk seiner Zeit erbaut, 1974 preisgekrönt und im November 2009 von seinen 550 Beschäftigten geräumt, weicht nun einem ehrgeizigen Wiederaufbauprojekt. Einem, so die OB voller Vorfreude, „das Frankfurt das Herz seiner Geschichte“ wiedergebe. Auf historischem Grundriss sollen an Stelle des Betonklotzes auf 7000 Quadratmetern 29 neue Gebäude entstehen, die sich in ihrer Architektur am kleinteiligen historischen Vorbild orientieren. Doch damit nicht genug: Insgesamt acht Fachwerkhäuser, darunter der seinerzeit berühmte Renaissance-Bau „Goldene Waage“ und das 1360 erbaute „Rote Haus“, sollen möglichst originalgetreu wieder aufgebaut werden.

Seit 2004 wird in der Stadt darüber debattiert, über eine komplette Rekonstruktion ebenso wie über den Verzicht auf eine reine „Kulissenarchitektur“, wie sie bereits Anfang der Achtziger mit der Ostzeile des Römerberges entstanden ist. Damals ebenfalls umstritten, hat sich diese Fachwerkzeile jedoch zu einer nicht wegzudenkenden Attraktion von Frankfurt entwickelt.

Gut für Überraschungen

Bis es jenseits der Ostzeile so weit ist, dürfte Petra Roth (66) im Ruhestand sein. Kämmerer Uwe Becker rechnet mit einer Bauzeit von fünf Jahren unter der Regie einer eigens gegründeten Projektgesellschaft. Die Kosten schätzt der Kämmerer gegenüber unserer Zeitung auf 127 Millionen Euro; wobei auch er weiß, dass Überraschungen im Untergrund - sowohl archäologische Funde als auch technische Unwägbarkeiten - das Projekt verteuern können. Geplant ist auch, den Archäologischen Garten neben der Kunsthalle Schirn mit einem Stadthaus zu überbauen, das an die dort einst existierende karolingische Kaiserpfalz erinnern soll.

Natürlich setzt die Stadt auf Investoren, die einen Nutzungsmix aus Wohnen, Gastronomie und Handel verwirklichen, sodass die Stadt einen Teil der Ausgaben wieder einspielen kann. Sicher ist das alles noch nicht. Doch Becker gab sich gestern optimistisch, „die Ausgaben lohnen sich für Frankfurt auf jeden Fall“.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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