Urteil im spektakulären Prozess erwartet - Anklage fordert mehrjährige Haftstrafe

Fall Wolski: Heute letzter Akt

Mit in Bedrängnis geraten: Richterin Karin Wolski. Foto: dpa

Darmstadt. Mit dem Urteil des Darmstädter Landgerichts geht heute juristisch der letzte Akt im Fall Wolski über die Bühne. Es ist eine Geschichte um Steuerhinterziehung, seltsame Freundschaften und Familienstreitigkeiten, die viele Hessen erzürnte.

Der Staatsanwalt hat in seinem Plädoyer gegen den Neu-Isenburger Rechtsanwalt drei Jahre und neun Monate Haft beantragt. Wolski soll Schenkungssteuer in 22 Fällen sowie Umsatzsteuer und Einkommenssteuer von insgesamt 1,66 Millionen Euro hinterzogen haben.

Die Begleitumstände sind rätselhaft: Das Frankfurter Ehepaar C., das in der Immobilienbranche tätig ist und von Wolski juristisch beraten wurde, soll ihm Millionensummen zugewendet haben. Die Kinder des Ehepaars sahen sich von Wolski um ihr Geld gebracht. Seit dieser Aussage wird schmutzige Wäsche gewaschen, was das Zeug hält. Der 61-jährige Wolski soll ein intimes Verhältnis zu der seit 2006 verwitweten Margit C. gehabt haben, die mittlerweile fast 90 Jahre alt ist. Die Geldzahlungen waren ausschließlich von ihr unterzeichnet.

Die Beweisaufnahme gestaltete sich schwierig. Die juristische Frage drehte sich darum, ob es sich bei den Zuwendungen um Honorare handelte, um Schenkungen, für die auch Steuern fällig gewesen wären, oder um ein Darlehen.

Ihre Steuererklärung für die Jahre 1994 bis 1996 gaben Wolski und seine Ehefrau Karin erst 1998 ab. Und die Angaben für die Jahre 1999 bis 2003 kamen erst im Jahr 2005. Wolskis Anwalt Josef Hillebrandt bestritt nicht, dass der Angeklagte die Steuererklärungen „über die Maßen vernachlässigt“ habe. Er habe jedoch nie vorgehabt, gar keine Steuern zu zahlen, sondern lediglich eine „Steuerverkürzung auf Zeit“ begangen.

Der spektakuläre Prozess wurde erschüttert von einem Suizidversuch Wolskis. Er hatte sich auf der Toilette seines Hauses die Pulsadern aufgeschnitten.

Auch wenn sie nie angeklagt wurde, ist Wolskis Ehefrau Karin untrennbar mit dem Fall verbunden. Das Pikante: Die 59-Jährige ist Richterin am Hessischen Staatsgerichtshof. Einen Rücktritt lehnte sie stets ab, Vorwürfe, sie beschädige das Ansehen des Verfassungsorgans, prallten an ihr ab. Von den Zuwendungen an ihren Mann profitierte sie bestimmt. Auf sie war eine Wohnung auf Mallorca angemeldet, ein Ferrari Maranello, zwischenzeitlich sechs Autos. Egal wie das Urteil gegen ihren Mann heute ausfällt: Um die Richterin könnte es in ihrer Partei, der CDU, einsam werden. Auch ohne Anklage gegen sie.

Von Peter Klebe

Quelle: HNA

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