Unternehmen will Netz für preiswerte Fahrten aufbauen - Kassel soll Station werden

Fernbusfirma gibt nicht auf

Kassel/Frankfurt. Die Deutsche Touring GmbH in Frankfurt will trotz der Ablehnung einer Fernbuslinie zwischen Frankfurt und Dortmund über Köln durch das Leipziger Bundesverwaltungsgericht weiter am Aufbau eines Fernbusnetzes arbeiten.

Dieses Netz soll preiswertere Reisen als mit der Bahn möglich machen. Dabei wird Kassel als Station einer Linie von Frankfurt nach Hamburg eingeplant. Auch Gießen kommt für das Unternehmen als Stopp auf der Linie von Frankfurt nach Leipzig infrage. Das bestätigte Michael Svedek, der Leiter Operative Geschäfte der Busfirma, unserer Zeitung.

Das Bundesverwaltungsgericht hatte die bereits im Oktober 2008 vom Verwaltungsgerichtshof des Landes Hessen in Kassel genehmigte Linie von Frankfurt nach Dortmund aus formalen Gründen gekippt. Die obersten Verwaltungsrichter rügten, dass die Bahn AG im Genehmigungsverfahren nicht ausreichend gehört worden sei.

Das will die genehmigende Behörde, das Regierungspräsidium Darmstadt, jetzt nachholen. Die Deutsche Touring brauche also keine neue Genehmigung zu beantragen, um ihr Ziel möglicherweise doch noch zu erreichen.

Obwohl die DB Fernverkehr AG nur die Genehmigung des Landes Hessen für die Buslinie zwischen Frankfurt und Dortmund erfolgreich beklagt hatte, will die Deutsche Touring auch die Linie Frankfurt-Leipzig, für die ebenfalls eine Genehmigung vorliegt, zunächst nicht in Betrieb nehmen, weil das Regierungspräsidium Darmstadt auch bei diesem Verfahren die Bahn nicht gehört habe. Kurz vor der Genehmigung habe die Linie Frankfurt-Hamburg über Kassel gestanden, sagte Svedek.

Auf Eis liegen derzeit Pläne für Fernbusverbindungen von Frankfurt über Stuttgart nach München und von Frankfurt über Stuttgart nach Friedrichshafen. Die Deutsche Touring werde den Kopf trotz des ablehnenden Urteils aus Leipzig nicht in den Sand stecken. Ganz im Gegenteil: "Wir werden eine ganze Reihe von Linien beantragen", sagte Svedek auf unsere Nachfrage. Die Strecke Frankfurt - Kassel - Hamburg will das Unternehmen ebenso tagsüber betreiben wie die Linie Frankfurt - Dortmund.

Das aus den 30er-Jahren stammende und noch geltende Personenbeförderungsgesetz schiebt Fernbusverbindungen weitgehend einen Riegel vor und schützt die Bahn so vor Konkurrenz auf der Straße. Die schwarz-gelbe Regierungskoalition in Berlin will dieses Gesetz aber ändern und den Fernbusverkehr liberalisieren.

Ob es eine völlige Freigabe oder ein Lizenzierungsverfahren geben soll, steht dabei aber noch nicht fest. Der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmen (BDO) ist allerdings gegen eine völlige Freigabe. Hintergrund: Kleine und mittelgroße Busunternehmen könnten wegen der hohen Anschaffungspreise für moderne Reisebusse in existenzvernichtenden Wettbewerb geraten.

So kostet beispielsweise ein neuer Reisebus leicht über 250000 Euro - der Gegenwert eines Reihenhauses. Selbst ein sieben Jahre alter Reisebus mit 500 000 Kilometern Laufleistung kostet noch rund 100000 Euro.

Stichwort Personenbeförderungsgesetz

Das Personenbeförderungsgesetz schützt die Bahn noch vor Konkurrenz durch Fernbusse. Denn es schreibt vor: "Beim Busverkehr und Linienverkehr mit Kraftfahrzeugen ist die Genehmigung zu versagen, wenn (...) der Verkehr mit den vorhandenen Verkehrsmitteln befriedigend bedient werden kann" oder "der beantragte Verkehr ohne eine wesentliche Verbesserung der Verkehrsbedienung Verkehrsaufgaben übernehmen soll, die vorhandene Unternehmer oder Eisenbahnen bereits wahrnehmen". Von Jürgen Umbach

Quelle: HNA

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