Bad Orb Vorreiter in Hessen - Datenschützer hält Eintrittssystem für rechtswidrig

Per Fingerabdruck ins Bad

Michael Ronellenfitsch

Bad Orb. Das gibt Ärger: Dauerkarten-Besitzer des Naturerlebnis-Freibades im osthessischen Bad Orb sollen für die Einlasskontrolle ihren Fingerabdruck abgeben. Das Lesegerät sei aufgebaut und gehe umgehend in Betrieb, sagte Bürgermeisterin Helga Uhl (parteilos) gestern. Die Stadt will so die Weitergabe der Dauerkarten an Dritte verhindern, weil ihr dadurch bis zu 10 000 Euro an Eintrittsgeld pro Jahr entgehen. Zudem sollen Personalkosten an der Kasse gesenkt werden.

Hessens Datenschutzbeauftragter Michael Ronellenfitsch protestierte bereits und hält das in Hessen bislang einmalige Einlasssystem für ein Schwimmbad für unzulässig.

Die Rathaus-Chefin betonte, jeder Saisonkarten-Inhaber könne entscheiden, ob er seinen Fingerprint registrieren lässt. Auf die Kritik des Datenschutzbeauftragten habe die Stadt reagiert. „Wir nehmen die Hinweise ernst und haben uns rechtlich beraten lassen. Wir geben den Gästen ein Infoblatt und bitten sie um eine schriftliche Einverständniserklärung“, sagte die Rathaus-Chefin. Probleme mit dem Datenschutz sieht die Stadt durch die Erhebung biometrischer Daten ihrer Stammgäste nicht: „Die Daten werden nicht zentral gespeichert.“

Allerdings räumte Uhl ein: „Wer nicht am Fingerprint-System teilnehmen möchte, hat einen schwierigeren Zugang ins Freibad.“ Die Kasse sei mitunter nicht besetzt, man müsse den Bademeister rufen und sich ausweisen. Die Alternative zum Fingerabdrucksystem wäre eine Dauerkarte mit Passbild. „Aber da brauchen Sie die Gesichtskontrolle. Da müsste die Kasse permanent besetzt sein.“

Den Hinweis auf die Freiwilligkeit lässt Datenschutzexperte Ronellenfitsch nicht gelten. „Freiwilligkeit ist nur dann gegeben, wenn eine gleichwertige Alternative zur Verfügung steht.“ Angesichts längerer Wartezeiten an der Kasse sei das nicht der Fall.

„Mit 421 Saisonkarten im Vorverkauf liegen wir im Rekordergebnis der letzten Jahre“, berichtet die Bürgermeisterin. Davon sind 263 Familienkarten (95 Euro). Die Saisonkarte für Erwachsene kostet 60 Euro. Jugendliche bezahlen die Hälfte. (dpa/jum)

Quelle: HNA

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