Neues Netzwerk soll Landwirtschaft und Wissenschaft besser verzahnen - Mehr Dialog gefordert

Forschung muss näher an den Boden

Dr. Frieder Thomas

hOFGEISMAR. Ein verstärkter gleichberechtigter Dialog zwischen Wissenschaftlern und Verbänden sowie den Praktikern an der Basis soll die Landwirtschaft in Deutschland zukunftsfähig machen. Das ist die Forderung eines neuen Informationsnetzwerkes, das in der Evangelischen Akademie Hofgeismar ins Leben gerufen wurde.

Zu oft forsche die Wissenschaft am tatsächlichen Bedarf vorbei, stellte Mitinitiator Dr. Frieder Thomas (Konstanz) vom Kasseler Institut für ländliche Entwicklung fest. In der Landwirtschaft spiele nicht nur die Technik eine Rolle, sondern auch die Bedeutung für Landschaft und Menschen, ergänzte Pfarrer Dr. Georg Hofmeister, Studienleiter an der Evangelischen Akademie. Künftig müssten die Menschen vor Ort mit ihrem individuellen Wissen in neue Entwicklungen einbezogen werden. „Uni-Wissen und lebensweltliches Wissen zu verbinden, bringt völlig neue Erkenntnisse“, sagt Hofmeister.

„Ein echter Praxisbezug ist im Wissenschaftssystem eher unterentwickelt“, stellte Professor Dr. Jürgen Heß (Uni Kassel) fest. Die Belange der Gesellschaft stünden noch viel zu wenig im Fokus der Forschung. Andererseits kämen Forschungsergebnisse kaum an der Basis an, wie das Beispiel der anhaltenden Stickstoffüberdüngung auf deutschen Äckern seit 25 Jahren deutlich mache.

Ein weiterer Beitrag betonte, dass Forscher selten kritisch betrachtet würden. Sie glaubten dann, alles richtig zu machen, verstärkt noch durch die finanziellen Anreize der Auftraggeber, deren Absichten selten hinterfragt würden.

In der Tagung wurden auch alternative und ganzheitliche Konzepte der Tierzucht und Bodenbewirtschaftung vorgestellt. Die 90 Teilnehmer aus ganz Deutschland waren sich einig, dass es eine genügend große Zahl an Kritikern geben muss, um wahrgenommen zu werden.

Ein neues Informationsnetzwerk soll Wissenschaftlern, Verbands- und Behördenvertretern sowie Praktikern eine Möglichkeit zum Dialog geben, wo sie auch gehört werden. Viele von ihnen wollen sich jetzt regelmäßig im zentralen Hofgeismar zu strategischen Überlegungen – auch zu anderen Themen – treffen und eine Nachrichtenplattform schaffen.

Von Thomas Thiele

Quelle: HNA

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