Frage der Balance: Weltmeister im "Slacklinen" kommt aus Hessen

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Weltmeiseter Maurice Wiese balanciert um Garten seiner Eltern in Hofheim auf einer Slackline.

Hofheim. Sie wippen, springen, schlagen Saltos: Slackliner machen Kunststücke auf einem nur wenige Zentimeter breiten Band. Der Weltmeister des Modesports wohnt in Hessen - und ist erst 15 Jahre alt.

Wenn Maurice „Momo“ Wiese auf sein Seil springt, beginnt die Welt für ihn zu schwanken. Locker lässt sich der 15-Jährige mit dem Hintern auf das schmale Nylonband plumpsen, federt ab und landet im Stehen. Der junge Hesse ist Weltmeister in einem Modesport, den nur wenige Deutsche kennen: Er ist Meister im Slacklinen, „lockere Leine“ heißt das übersetzt.

Videos zum Slacklinen:

- Welmeister Maurice „Momo“ bei TV Total

- Sponsoren-Video Slackline bei youtube

Auf einem fünf Zentimeter breiten Gurt, der kniehoch zwischen zwei Bäumen gespannt ist, macht Momo Kunststücke. „Das ist so ein ähnliches Feeling wie auf einem Trampolin“, erklärt der Schüler aus Hofheim (Main-Taunus-Kreis).

Der Trend stammt aus den USA. „Es waren zwei Amerikaner, Adam Grosowsky und Jeff Ellington, die das in den 80er Jahren eher just for fun ausprobiert haben“, erklärt Sportsoziologe Robert Gugutzer von der Universität Frankfurt. Die Kletterer hätten auf einem Band im kalifornischen Yosemite Nationalpark ihr Gleichgewicht trainiert.

Auch heute werde Slacklinen im Training bei Kletterern und Skifahrern genutzt. „Es ist als Idee geboren, am Gleichgewicht zu arbeiten“, sagt der Professor. „Inzwischen ist es freilich auch ein Freizeitspaß, in München etwa wird das im Englischen Garten jeden Sommer gemacht.“

Zwischen den Bäumen im Garten seiner Eltern spannte auch Momo die erste Slackline. Im Fernsehen hatte der Schüler eine Reportage über die Artisten gesehen und im Internet den Gurt bestellt. Er zog seine Skater-Schuhe an, ratschte den Gurt fest und stieg auf.

Auf dem Weg zum Trend?

Ausprobiert hatte der damals 12-Jährige zwar viele Sportarten - Inlineskaten, Skateboarden und Trampolinspringen. Aber auf dem wackeligen Seil haute es ihn um. „Weil die Muskeln noch nicht drauf trainiert sind“, meint Momo heute. „Aber dann geht man immer wieder drauf, da packt einen der Ehrgeiz.“

Bald stand er auf der „lockeren Leine“. Er sprang, kniete, ließ sich fallen. Tricks lernte er aus dem Netz. „Zu der Zeit gab's noch nicht viele Videos in Youtube, aber ein paar. Dann hab' ich mir das alles selbst beigebracht.“ Heute kennt Momo viele Stunts, den „Backflip“, „Sick Nasty“ oder „Double Knee Drop“.

Mit einem Rückwärtssalto katapultierte er sich im November zum WM-Sieg in Südtirol. Dass er bei dem Wettkampf im Rahmen des Kletterfestivals „International Mountain Summit“ gewinnen würde, dachte er nicht. „Ich wusste natürlich, dass ich gut bin. Aber ich hab'' jetzt nicht darauf gesetzt, dass ich unbedingt gewinnen würde.“

Von dem Hype dürfte auch das Slacklinen profitieren. Aber ob der Trend Zukunft hat? Sportsoziologe Gugutzer glaubt nicht daran. „Trendsportarten wandern auch auf einem schmalen Grat“, erklärt er. „Wenn sie Menschen erreichen wollen, dürfen sie nicht zu schwer sein.“

Slacklinen sei kompliziert, die meisten beherrschten es zu wenig. „Dann wird es schnell langweilig.“ Zudem brauche ein Trendsport meist eine Szene, um zu überleben. „Bei den Snowboardern oder den Surfern sieht man's, da sind Musik, Gesten und Kleidung wichtig. Es ist eher ein Lebensstil. Und das traue ich dem Slacklinen nicht zu.“

(dpa)

Quelle: HNA

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