Freispruch im Prozess um Opec-Anschlag vor fast 40 Jahren

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Die wegen ihrer möglichen Beteiligung an einem Terror-Überfall auf die Wiener OPEC-Zentrale im Jahre 1975 angeklagte Sonja Suder winkt am 18.01.2013 im Hochsicherheitssaal des Landgerichts in Frankfurt am Main (Hessen) zu den Zuschauern.

Frankfurt. Im Jahr 1975 überfielen Terroristen die Opec-Konferenz in Wien und töteten drei Menschen. Einer inzwischen 80-Jährigen ist vor Gericht nicht nachzuweisen, dass sie an den Vorbereitungen beteiligt gewesen sein soll. Wegen anderer Anschläge wurde sie dennoch verurteilt.

Knapp vier Jahrzehnte nach dem tödlichen Terroranschlag auf die Opec-Konferenz in Wien ist eine 80-Jährige vom Vorwurf des Mordes freigesprochen worden. Das Landgericht Frankfurt sah es am Dienstag nicht als erwiesen an, dass Sonja Suder an den Vorbereitungen für den Anschlag auf die Konferenz der Organisation erdölexportierender Länder beteiligt war. Der Überfall im Jahr 1975, bei dem drei Menschen starben, stand unter dem Kommando des Terroristen Ilich Ramirez Sanchez alias Carlos.

Das Frankfurter Gericht verurteilte Suder allerdings wegen der Beteiligung an drei Anschlägen Ende der 1970er Jahre in Süddeutschland zu dreieinhalb Jahren Haft. Bei den Attentaten auf das Heidelberger Schloss, eine Pumpenfabrik im pfälzischen Frankenthal und die Firma MAN in Nürnberg war beträchtlicher Schaden entstanden.

Dem Urteil zufolge waren Suder und ihr ursprünglich mitangeklagter Lebensgefährte verantwortlich für die Texte der Bekennerschreiben. Bei dem Anschlag in Frankenthal habe Suder den Sprengsatz persönlich in einen Schacht gelegt. Diese Erkenntnisse erhielt das Gericht aus einer früheren Aussage eines damaligen Gesinnungsgenossen, der zuvor 1978 bei einem Sprengstoff-Unfall beide Beine und das Augenlicht verloren hatte. Trotz dieses Umstandes seien die Aussagen verwertbar, sagte die Vorsitzende Richterin Bärbel Stock.

Vor allem bei dem Bombenanschlag auf den Königssaal im Heidelberger Schloss in einer Mainacht 1978 habe die Angeklagte die Gefährdung von Menschenleben in Kauf genommen, sagte Stock. Eine halbe Stunde vor der Explosion sei noch ein Schlosswächter in dem Saal gewesen.

Suder nahm das Urteil äußerlich ungerührt entgegen, die Augen mit einer Sonnenbrille verdeckt. Die heute 80-Jährige soll einst den Revolutionären Zellen (RZ) angehört haben, einer linksextremistischen Terrorgruppierung. Sie konnte den Gerichtssaal nach dem Urteil verlassen und blieb auf freiem Fuß. Der Haftbefehl wurde außer Vollzug gesetzt, da Suder bereits mehr als zwei Drittel der Gefängnisstrafe in der Untersuchungshaft abgesessen hat. Auf der Straße vor dem Landgericht wurde sie anschließend von rund 100 Sympathisanten gefeiert.

Der Prozess in Frankfurt hatte fast 14 Monate gedauert. Die Staatsanwaltschaft selbst war im Lauf des Verfahrens vom Mordvorwurf gegen Suder abgerückt, weil eine Mittäterschaft an dem Opec-Attentat nicht nachweisbar gewesen sei. Das Gericht sprach bei der Urteilsverkündung von einer „ungeheuer beschwerlichen Sachaufklärung“.

Suder soll sich vor dem Opec-Anschlag im Frankfurter Stadtwald mit dem Terroristen Hans-Joachim Klein getroffen und Waffen für Carlos beschafft haben, lautete die Anklage. Doch Widersprüche in den Aussagen von Klein, der mehrere Verhandlungstage lang befragt wurde, konnten auch aus Sicht des Gerichts nicht aufgelöst werden. Der Ex-Terrorist Klein war wegen seiner Beteiligung am Opec-Anschlag bereits im Jahr 2001 verurteilt worden.

Die Verteidigung hatte in allen Anklagepunkten Freispruch gefordert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig - „wir prüfen Rechtsmittel“, sagte Verteidiger Joachim Bremer. Sollte das Urteil rechtskräftig werden, dürfte der Haftbefehl aufgehoben werden. Suder hat nicht nur einen Großteil der Strafe bereits in Untersuchungshaft verbüßt, sie kann auch aufgrund ihres Alters und als „Ersttäterin“ mit einer Verringerung rechnen.

Wegen der Anschläge in Süddeutschland war auch Suders Lebensgefährte angeklagt worden. Das Verfahren wurde aber wegen seines schlechten gesundheitlichen Zustands erst abgetrennt und später ganz eingestellt. Bei der Urteilsverkündung war er dabei. (dpa)

Quelle: HNA

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