„Distanzloses Verhalten“ zu Messdienern

Fritzlar: Priester unter Verdacht

Fritzlar. Ein Fritzlarer Priester des Prämonstratenser-Ordens muss seine seelsorgerischen Ämter ruhen lassen. „Der Grund sind Vorwürfe im Bereich der Jugendarbeit, die auf ein distanzloses, eventuell übergriffiges Verhalten schließen lassen“, sagte die Missbrauchsbeauftragte des Priorats, die Fritzlarer Rechtsanwältin Meike Schoeler.

Es gebe jedoch keine Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs, betonte die Beauftragte. Die Staatsanwaltschaft sei aber eingeschaltet worden.

Vorausgegangen war ein Beschwerdebrief aus der Domstadt an das Bistum in Fulda vom 4. Mai. Eltern hätten beklagt, dass sich der Priester gegenüber Messdienern auffällig distanzlos verhalten habe. Er soll darauf bestanden haben, dass sie duschen, und er sei dabei gewesen, wenn sie nackt unter der Dusche standen. Die Rechtsanwältin dazu: „Diffuse Vorwürfe.“

Der Leiter des Priorats, Conrad o. praem., sagte, das Bistum Fulda habe ihn angewiesen zu veranlassen, „dass der Betreffende in der Seelsorge bis auf Weiteres nicht mehr eingesetzt wird“. Das Bistum als vorgesetzte Stelle bestätigte das. Der Priester werde aber in Fritzlar bleiben, dem Staatsanwalt zur Verfügung stehen und sich um Aufklärung bemühen, sagte die Anwältin. Einen Tag nach Eingang des Briefes sei der Staatsanwalt informiert worden, sagte ein Sprecher aus Fulda.

Oberstaatsanwalt Manfred Jung (Kassel) bestätigte gestern auf unsere Anfrage, dass eine Strafanzeige des Bistums eingegangen ist. Nun werde geprüft, ob eine strafrechtliche Relevanz vorliege. Der Pfarrgemeinderat war gestern noch nicht über den Vorfall informiert: Er erfuhr erst durch unsere Nachfrage davon.

Von Reinhard Berger

Quelle: HNA

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