Grüne greifen bei Gesundheitsversorgung auf dem Land auch auf Bewährtes zurück

Gemeindepflege als Modell

Kordula Schulz-Asche

Wiesbaden. Die Probleme des ländlichen Raums angesichts der negativen demografischen Entwicklung insbesondere in Nordhessen beschäftigen die Oppositionsfraktionen zunehmend. Nach der SPD, die schon vor einiger Zeit ein Papier für einen „Neuen Hessenplan“ vorgelegt hat, haben die Grünen gestern ihr Konzept für die Gesundheitsversorgung vorgestellt. Fachsprecherin Kordula Schulz-Asche fordert darin unter anderem ein neues Modell der Gemeindepflege. Dabei könnten ähnlich wie früher, als Gemeindeschwestern üblich waren, ausgebildete Krankenschwestern in bestimmtem Umfang auch Bagatellerkrankungen behandeln.

Berufliche Perspektive

Schulz-Asche, selbst ausgebildete Krankenschwester, sieht darin auch eine berufliche Perspektive für ältere Pflegekräfte, die Probleme mit dem „Knochenjob“ auf vielen Krankenhausstationen hätten.

Sie sprach sich ferner für ganzheitliche Versorgungszentren aus, in denen Hausärzte als Lotsen fungierten und durch andere medizinische Berufsbilder ergänzt werden könnten.

Günter Rudolph

Um kommunale Krankenhäuser wettbewerbsfähig zu machen, schlagen die Grünen „Patientenhäuser“ vor, in denen stationäre und ambulante Versorgung verzahnt werden könnten. Insgesamt zeigte sich die Grünen-Politikerin überzeugt, dass es, von Anschubfinanzierungen abgesehen, nicht darum gehe, mehr Geld in das System zu pumpen, sondern das vorhandene umzuschichten.

Hintergrund der Initiative ist der drohende Ärztemangel auf dem Lande. Junge Leute sind kaum noch für das Landarztleben zu begeistern. Hinzu kommt, dass über 60 Prozent der Medizinstudierenden Frauen sind, von denen viele Wert auf familienfreundliche Arbeitsbedingungen legen. Das Problem wird auch am Durchschnittsalter der Hausärzte sichtbar, das in Hessen bei 52,6 Jahren liegt.

Die Regierungsfraktionen CDU und FDP halten die Oppositionsarbeit offenbar für überflüssig. Sie kommentierten die Vorschläge mit der Bemerkung, man werde mit Ruhe und Sorgfalt einen Masterplan erarbeiten.

Dorferneuerung

Die Regierung arbeitet derweil, wie berichtet, auch an einer Alternative zum Dorferneuerungsprogramm. Nicht Ortsteile, sondern größere Einheiten sollen demnach gefördert werden. Der SPD-Politiker Günter Rudolph lehnt Reformen nicht prinzipiell ab. Er gab aber zu bedenken, dass die Dorferneuerung gerade in kleinen Orten großes bürgerschaftliches Engagement entfache, das durch Zentralisierungen verloren gehe.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

Kommentare