Seit dem 17. Jahrhundert Rarität in Schloss Vollrads - Restaurierung abgeschlossen

Wo goldenes Leder Wände ziert

Ausschnitt: So präsentiert sich die Goldledertapete im Schloss Vollrads nach Beendigung der Restaurierung. Foto: Wettlaufer-Pohl

Oestrich-Winkel. Für Gerd Weiß, den Präsidenten der Landesdenkmalpflege, ist es „ein ganz besonderer Fall“: Die Goldledertapete von Schloss Vollrads, deren Reinigung und Reparatur jetzt nach zweijähriger Feinarbeit zweier Restauratorinnen abgeschlossen wurde. So gut erhaltene Ledertapeten aus dem 17. Jahrhundert haben Seltenheitswert: Zum einen, weil sie schon damals zu den kostbarsten Raumdekorationen gehörten und zum anderen, weil Schloss Vollrads, in einer Talmulde oberhalb von Oestrich-Winkel im Rheingau idyllisch gelegen, alle kriegerischen Auseinandersetzungen seit der Bauzeit von 1680 bis 1724 unversehrt überstand.

Weiß vermutet, dass die Tapete, die nach einer Restaurierung 1908 vor allem unter Heizungsluft und Klimaschwankungen litt, aus den Niederlanden stammt. Sie ziert den Speisesaal des Herrenhauses. Mit Modeln - eine Hohlform - wurden seinerzeit die Muster geprägt, so dass die erhabenen goldfarbenen Ornamente entstanden. Sie zeigen Trauben, Adler und Fabelwesen, die typisch waren für das 17. Jahrhundert. Bewusst haben die Restauratorinnen darauf verzichtet, der Tapete neuen goldenen Glanz zu verleihen. Ziel sei vielmehr gewesen, so Weiß, die Patina und damit auch den Raumeindruck zu erhalten.

Finanziert haben die knapp 130 000 Euro teure Restaurierung die 160 Mitglieder des Fördervereins Schloss Vollrads sowie das Landesamt für Denkmalpflege (32 000 Euro) und die Stiftung Deutscher Denkmalschutz (35 000 Euro).

Schloss Vollrads beherbergt das gleichnamige Weingut, das jahrhundertelang von den Hausherrn, den Grafen von Greiffenclau, bewirtschaftet wurde. Nach einem Konkursantrag wählte Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau 1997 den Freitod und die Nassauische Sparkasse wurde Eigentümerin des Schlosses.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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