Landesvertretung in Brüssel hütet hessische Interessen und braucht dafür mehr Raum

Die das Gras wachsen hören

Diese Nordhessen haben in Brüssel das Heft für ganz Hessen in der Hand (von links): Claus-Peter Appel, Friedrich von Heusinger und Christian Henkes Foto:  Wagner/nh

Brüssel. Beim alljährlichen Weinfest im September herrscht in der Hessischen Landesvertretung in Brüssel drangvolle Enge - nicht nur wegen der guten Tropfen aus Südhessen und der Ahlen Wurscht aus dem Norden, sondern auch wegen der Kontakte, die man im Europa der 27 braucht.

Das Gründerzeitgebäude in der Avenue de l‘Yser 19 platzt auch an normalen Arbeitstagen aus allen Nähten. Hessens Europa-Staatssekretärin Nicola Beer (FDP/Foto) muss ihr Büro schon mal für Dolmetscher oder die Tontechnik der nächsten Abendveranstaltung frei machen, repräsentativ ist kaum ein Raum.

Bis Ende Oktober läuft deshalb die Ausschreibung für eine neue Unterkunft. 2700 statt 1500 Quadratmeter sollen es sein, möglichst dicht an Rat, Parlament und Kommission und geeignet, die Partnerregionen Hessens und auch Vertreter großer hessischer Unternehmen wie Fraport oder Helaba aufzunehmen.

Die dafür vorgesehenen 30 Millionen Euro scheinen zum Thema Haushaltsausgleich und Schuldenbremse nicht recht zu passen, doch ist die Summe für Beer eher eine Rechengröße: So viel in etwa dürfe es kosten, auf dem immer teurer werdenden Pflaster rund um die EU-Einrichtungen heimisch zu werden, schätzt die Staatssekretärin. Tatsächlich wolle man langfristig mieten, ein Teil der Miete werde von den Partnerregionen und Firmen wieder herein geholt.

Hessen hat in seiner jetzigen Bleibe Räume an die Partnerregionen Wielkopolska, Aquitaine und Emilia Romagna vermietet und aus der Landesvertretung ein „Mehrregionenhaus“ gemacht. „Es hilft uns hier wenig, wenn wir uns mit Rheinland-Pfalz einig sind, denn dann ist es immer noch nur ein deutsches Interesse“, sagt Friedrich von Heusinger, der Leiter der Vertretung. Also sucht man sich Mitstreiter in anderen Mitgliedstaaten, um im Konzert der rund 20 000 Lobbyisten in Brüssel bei den EU-Beamten Gehör zu finden, wenn die wieder mal eine Richtlinie formulieren wollen.

Hessen hat seine Präsenz jüngst noch verstärkt und musste deshalb eine Dependance anmieten: Jedes Ministerium hat einen Vertreter nach Brüssel entsandt, sie alle sollen das Gras wachsen hören. Denn egal ob es um Weinbau geht, um Forschung, Gewässerschutz oder den Finanzplatz - die EU hat immer mitzureden. „80 Prozent der nationalen Gesetzgebung sind bereits durch EU-Recht beeinflusst“, sagt Nicola Beer.

Warten auf Okay zu Calden

Auch die 50-prozentige Kostensteigerung bei dem aus Steuergeldern finanzierten Ausbau von Kassel-Calden auf 225 Millionen Euro interessiert die EU. Noch haben die Wettbewerbshüter in Brüssel nicht entschieden über die neue Lage. Aber Friedrich von Heusinger ist guter Dinge.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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