Das große Bienen-Sterben

Kirchhain. In Hessen sind die Bienen knapp geworden. Die langanhaltende, strenge Kälte und Schädlinge haben dafür gesorgt, dass etwa jede vierte Honigbiene den Winter nicht überlebt hat.

„Er hat den Bienen-Völkern starke Verluste beschert. Das ist ein Problem“, sagt Ralph Büchler vom Bieneninstitut Kirchhain (Kreis Marburg-Biedenkopf). Bienensterben bleibt nicht ohne Folgen Die fleißigen Brummer sind nach Rind und Schwein das drittwichtigste Nutztier in Deutschland.

Auf die Bestäubung sind rund 80 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzpflanzen angewiesen. „Ohne Imkerei würde erheblicher Nahrungsmangel bestehen. Ein Drittel aller Nahrungsmittel wie Kirschen, Äpfel und Birnen hängen von der Bestäubungsfunktion der Bienen ab“, erklärt Agrarstaatssekretär Mark Weinmeister (CDU). Daher kann sich die Bienen-Knappheit auch auf die Obsternte auswirken. Honig ist zwar mit Abstand das Hauptprodukt der Imkerei. Dennoch werden auch andere Erzeugnisse geschätzt.

Bienenwachs wird nicht nur in Kerzen, sondern auch in Pflegemitteln und Kosmetika verwendet. Mit ihren Bienenvölkern sorgen die Imker für die Bestäubung vieler Wildpflanzen und leisten damit einen Beitrag zum Erhalt der Arten. „Der Markt ist wie leer gefegt“ Normalerweise gehen pro Winter etwa zehn Prozent der Bienen ein. Verluste von 25 Prozent wie jetzt treffen die Imker hart. Neue Bienenvölker zu kaufen, um die Bestände wieder aufzufüllen, ist derzeit aber schwer. „Der Markt ist wie leer gefegt, weil zu viele gestorben sind“, beobachtet Büchler. Ein Bienenvolk kostet je nach Größe etwa 100 bis 200 Euro.

Im Winter gehören ihnen 10 000 bis 15 000 Individuen an, im Sommer schwillt die Größe auf bis zu 40 000 an. Wie gut es den Bienenvölker geht, hängt auch davon ab, wie das Pollenangebot ist. „Nur eine gewisse Vielfalt sichert eine optimale Eiweißversorgung. Das ist eine Voraussetzung dafür, wie langlebig die Biene ist.“ Im Sommer haben sie eine Lebensdauer von wenigen Wochen. Im Winter, wenn sie keine Brutzucht betreiben und auf ihren Honigvorräten als Energiequelle sitzen, können sie schon ein paar Monate alt werden. Wird ein Volk jedoch von Viren und anderen Krankheitserregern heimgesucht, kann der Bestand stark zurückgehen.

Ein Problem ist auch die Varroa-Milbe, die sich nicht nur auf die Bienen sondern auch auf Larven setzt und sie aussaugt. „Dadurch werden die Völker stark geschwächt“, sagt Büchler. Mit Schutzpräparaten könnten die Imker zwar gegensteuern und den Befall eindämmen. „Das Problem ist jedoch, rechtzeitig zu erkennen, wann Handlungsbedarf besteht. Wenn man nicht unmittelbar reagiert, ist es zu spät“, erklärt der Fachmann.

Die Folge: unumkehrbare Schäden. Frust bei Imkern Um den Bienenbestand wieder zu fördern, müssen sich die Tiere schnell vermehren, indem zum Beispiel Völker geteilt und Königinnen umgesiedelt werden. „Bis zum Jahresende sollten dann die Verluste wieder ausgeglichen sein.“ Aber Büchler macht noch ein anderes Problem aus: „Die Imkerei betreiben ja viele als Hobby. Durch solch einen Schlag kann man schon mal die Lust verlieren. Hoffentlich geben nicht zu viele frustriert auf.“ (dpa)

Quelle: HNA

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