Grünen wollen Stopp von Salzabwasser-Versenkung

Sigrid Erfurth

Witzenhausen. Die Grünen aus den Anrainerländern von Werra und Weser wollen ein Ende der Salzabwasser-Versenkung bei der Kali-Förderung des Düngemittelherstellers K+S.

„Ab 2015 muss spätestens damit Schluss sein. Der Untergrund und das Trinkwasser werden stark belastet“, sagte die hessische Landtagsabgeordnete Sigrid Erfurth am Donnerstag im nordhessischen Witzenhausen vor einem sogenannten Vernetzungstreffen der Grünen.

Die Fraktionen aus Hessen, Thüringen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bremen legten dabei gemeinsame Forderungen fest, um der Versalzung der beiden Flüsse entgegen zu wirken.

Seit Jahren wird heftig um die 14 Millionen Kubikmeter Salzlauge gestritten, die jedes Jahr bei der Kali-Förderung von K+S anfallen. Bislang wird das Salzwasser zur Hälfte in die Werra gekippt und zur anderen Hälfte in den Untergrund gepresst.

Um Werra und Weser zu entlasten, soll künftig eine Fernleitung das Salzabwasser zur Nordsee transportieren. Diese abschließende Empfehlung hatte der Runde Tisch Gewässerschutz Werra/Weser Anfang März den Landesregierungen von Hessen und Thüringen sowie dem Kasseler Unternehmen überreicht.

Niedersachsen und K+S sind gegen eine Fernleitung zur Nordsee. Die Pipeline würde Experten zufolge rund 500 Millionen Euro kosten. Die Grünen aus den Ländern befürworten weitgehend die Pipeline- Lösung für nicht vermeidbare Laugenabwässer. „Es ist schlimm genug, dass die Nordsee mit dem Salzabwasser belastet werden soll. Dann müssen auf dem Weg dahin nicht auch noch 430 Fluss-Kilometer geschädigt werden“, sagte Erfurth, die auch stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Wiesbadener Landtag ist.

Die zweite elementare Forderung der Grünen ist: Von 2020 an soll kein Tropfen Lauge mehr in die Werra fließen. Darauf verständigten sich die 15 Partei-Vertreter von Bund und Ländern. „Im Extremfall“, so Erfurth, wolle man sogar für den Pipeline-Bau auf die Zustimmung des niedersächsischen Landtags verzichten. Wenn die Fernleitung den gesetzlichen Anforderungen entspreche, solle sie halt von Hessen aus genehmigt werden. „Dort sitzt die zuständige Genehmigungsbehörde.“

Der Verein Werra-Weser-Anrainerkonferenz warf unterdessen dem Kali-Konzern vor, Zusagen nicht einzuhalten. So verzichte das Unternehmen darauf, am Standort im thüringischen Unterbreizbach eine sogenannte Eindampfanlage zu bauen. Damit soll der Abstoß von Produktionsabwässern in die Werra vermindert werden.

Die Anlage sei zentraler Bestandteil eines Maßnahmenpaktes, dass K+S im Jahr 2008 veröffentlicht hatte, sagte der Vereinsvorsitzende Walter Hölzel, Erster Stadtrat in Witzenhausen.

K+S hatte am Mittwoch erklärt, die in Unterbreizbach geplante Anlage sei nicht notwendig, weil die künftig zu erschließende Lagerstätte weniger wasserbelastendes Magnesiumchlorid enthalte.

Diese Aussage sei wenig vertrauenerweckend, entgegnete Hölzel, der für einen Gemeinschaft von 20 Kommunen, Verbänden und Anwohnern spricht. „Mitglieder des Runden Tisches, die guten Willens mitgearbeitet haben, müssen nun erkennen, dass sie benutzt worden sind, um das Unternehmen K+S über zwei Jahre hinweg vor den Kritikern seiner Entsorgungspolitik zu schützen“, sagte Hölzel.

K+S plant nun eine 30 Millionen Euro teure Magnesiumchlorid-Aufbereitungsanlage anstatt der ursprünglich auf 160 Millionen Euro geschätzten Eindampfanlage.

dpa/lhe

Quelle: HNA

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