Hand angelegt: So wird der Superflieger A380 gewaschen

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Ein Airbus A380 der Deutschen Fluggesellschaft Lufthansa wird in einem Hangar auf dem Flughafen in Frankfurt am Main gewaschen.

Frankfurt. Flugzeuge sind Technikwunderwerke, gewaschen werden sie aber nicht mit Hightech, sondern von Hand. Ein Knochenjob für Flugzeugwäscher, vor allem, wenn sie den Superflieger A380 schrubben.

In gelben Gummistiefeln stapft ein Flugzeugwäscher am Rumpf des Airbus A380 entlang. Aus einem meterlangen Schlauch spritzt er weißen Seifenschaum auf den Superflieger. Seine Kollegen schweben auf Hebebühnen am Heck vorbei und verteilen die glitschige Masse mit langen Wischern. Ihr Auftrag: Das größte Passagierflugzeug der Welt einseifen. Die Maschine, die am Morgen aus San Francisco kam, braucht eine ordentliche Dusche. Das funktioniert bei der Lufthansa Technik am Frankfurter Flughafen nicht mit Hightech - sondern mit Handarbeit.

Der Putzkolonne bleiben 24 Stunden. „Wir müssen sehen, dass wir das Flugzeug sauber kriegen“, sagt Klaus Kowalec, 55 Jahre alt und einer von drei Meistern bei der Flugzeugreinigung. In drei Schichten arbeitet sein Team - die letzten 13 Mann schuften bis tief in die Nacht hinein. Viele tragen Regenmäntel, Hüte, Handschuhe. Ein Mitarbeiter pumpt mit einem Gerät Seifenschaum an die gewaltige Maschine. Rund 13 000 Liter Wasser verbraucht die Airbus-Dusche - die Füllung von rund 100 Badewannen. Das Spülwasser tropft durch Gitter in ein unterirdisches Becken, wird aufbereitet und wiederverwendet.

Das Team beseitigt Schmutz von Starts und Landungen, putzt graue Schlieren hinter den Triebwerken weg. Das sieht nicht nur schöner aus, es verringert auch den Luftwiderstand. „Wir sparen Kerosin“, erklärt Kowalec. Alle 85 Tage werden Kurzstreckenmaschinen gereinigt, Langstreckenflieger alle vier bis fünf Monate.

Eine Nasswäsche für den A380 und andere große Flieger ist allerdings eher die Ausnahme. Die großen Maschinen werden in fünf von sechs Fällen trocken gereinigt, also mit einer Spezialpaste poliert. Das spart Wasser. „Die Oberfläche ist dann noch glatter. Aber es ist viel aufwendiger, Sie müssen mehr Personal haben.“ Bei einem A380 seien 450 statt 280 Arbeitsstunden nötig. Auch Air Berlin und Condor bevorzugen Trockenwäschen.

In der gigantischen Halle schwebt ein Arbeiter in 24 Metern Höhe am Seitenleitwerk des Airbus vorbei, reinigt dort den stilisierten Kranich der Lufthansa. „Da braucht man schon Kraft, das ist ja anstrengend“, sagt der stellvertretende Schichtführer unten am Boden. „Das erste Mal kriegst du Muskelkater.“ Die Scheiben werden zum Schluss mit Lappen trockengewischt. Nach rund 800 Flugstunden knöpft sich ein Team auch das Flugzeuginnere vor: Bezüge werden gewechselt, Tische gewischt, sogar ein Kammerjäger inspiziert die Kabine.

Was für ein Kontrast: Die Flieger strotzen vor Technik, werden aber von Hand gewaschen. „Wir haben vor Jahren mal eine Maschine gehabt. Aber da haben wir festgestellt, dass sie zu viele Schäden verursacht“, sagt Kowalec. Das Reinigungsgerät habe auch nicht alle Ecken erreicht. Die Mitarbeiter dagegen putzen blitzblank - rangieren dabei aber oft gefährlich nah an der Maschine. Streift einer den Flieger mit der Hebebühne, wird es teuer. „Da werde ich schon immer nervös. Die müssen mit den Bühnen aufpassen, damit da keine Dellen reinkommen.“

Sensible Geräte wie Temperatur- und Höhenmesser werden zuvor abgeklebt und die Räder eingewickelt, um die Bremsen vor Chemikalien zu schützen. Geht etwas schief, muss der Flieger länger am Boden bleiben. Auch diese Zeit kostet Geld.

Rund 120 Mitarbeiter gehören zu der Putzkolonne. Sie reinigt etwa acht Maschinen pro Woche und täglich Cockpit-Scheiben. Jederzeit kann ihr Job abgesagt werden - Kowalecs Leute sind abhängig vom Flugplan. Kurz vorher können die Maschinen im wahrsten Wortsinn aus dem Programm fliegen - wenn sie gebraucht werden für London, New York oder Tokyo. (dpa)

Quelle: HNA

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