Hessen: Kommunen investieren Millionen in neue Ampeln

Kassel. Neue Ampeln und moderne Technik gegen Staus, Abgase und Lärm in der Stadt: Hessische Kommunen wollen millionenschwer in bessere Verkehrskonzepte investieren. Allein Kassel schichtet große Teile des Haushalts um und finanziert Projekte auf der Straße mit 22 Millionen Euro bis zum Jahr 2023.

Das Ziel: Lästige Autoschlangen insbesondere vor roten Ampeln sollen schon bald der Vergangenheit angehören. Nach Ansicht von Umweltverbänden gelingt das vor allem durch besserere Fahrradangebote und ein Entschleunigen des Autoverkehrs.

„Eine funktionsfähige moderne Großstadt braucht ein funktionierendes Verkehrskonzept“, sagt Kassels Stadtbaurat Joachim Lohse am Dienstag auf Anfrage. Sein Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) bezeichnet den Plan als „zukunftsfähig“.

Es werde aber dauern, bis das Konzept umgesetzt sei. Die Planer gehen von rund zehn Jahren aus. Das Geld werde keinesfalls zusätzlich gezahlt, sondern vor allem umgewidmet: „Wir müssten ansonsten im selben Zeitraum ungefähr 19 Millionen Euro zahlen, um die alten Ampelanlagen zu reparieren“, rechnet Lohse vor. „Jede fünfte Ampel in Kassel ist mittlerweile in die Jahre gekommen und lässt sich nicht so steuern, dass der Verkehr flüssig rollen kann“, erklärt die Verwaltung zum geschnürten Paket der Stadtverordneten.

In Kassel soll der Verkehrsfluss so abgestimmt werden, dass auch Fußgänger, Radfahrer, Busse und Bahnen schneller durch die Stadt kommen. Gedacht wird an zusätzliche Zebrastreifen, Fußgängerampeln und ein besseres technisches Zusammenspiel von Ampeln und Motoren.

Ebenfalls überarbeitet wird das Zusammenspiel von Ampelphasen und öffentlichem Nahverkehr. Die Durchfahrt einer Bahn dürfe zum Beispiel nicht mehrere Grünphasen für die Autos blockieren, sagt Lohse. Senioren und Schüler sollen ebenso besser über Angebote informiert werden wie neue Bürger in Kassel.

Nach den Plänen könnten sie eine kostenlose Monatskarte erhalten, eine Internet-Plattform soll zudem Berufspendler zusammen bringen. „Wir wollen auch versuchen, neue Kasseler besser über die Vorteile des Nahverkehrs zu informieren“, sagt Lohse.

Menschen prägten sich ihr „Mobilitätsverhalten“ in den ersten Wochen ein. „Wer in diesen Wochen nicht merkt, wie ihm Busse und Bahnen nutzen, der wird es auch in den Jahrzehnten danach nicht wissen.“ Kassel sei bei seiner umweltgerechten Verkehrsplanung vorbildlich, lobt der Verkehrsexperte Wolfgang Schuchart vom Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Hessen. Gleichmäßig rollender Verkehr verbrauche nicht nur weniger Benzin und verursache schwächere Emissionen und kürzere Rückstaus. „In das Verkehrskonzept zu investieren kann sich für die Stadt auch finanziell lohnen“, erklärt Schuchart. Schwachstelle ist nach Ansicht des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) Hessen noch der Radverkehr.

Dieser besitze in der Verkehrsplanung nach dem Auto häufig nur zweite Priorität, kritisiert Norbert Sanden vom Landesverband. „Er wird künstlich langsam gehalten.“ Allerdings sieht er in der Rhein-Main-Region gute Ansätze für eine Verbesserung in diesem Bereich. Auch die Stadt Frankfurt erneuert ihre Ampelanlagen - allerdings jedes Jahr und gewissermaßen im laufenden Geschäft. Jährlich fließen dafür drei bis fünf Millionen Euro in die Signalanlagen.

Im Vorfeld der Fußball-WM 2006 habe die Stadt bereits den größten Anteil der Ampeln saniert, seitdem bringt die Bankenmetropole pro Jahr etwa 20 bis 30 weitere Anlagen auf Vordermann. Zurzeit sei die Innenstadt also auf dem modernsten Stand.

 Durchschnittlich 80.000 bis 100.000 Euro plant die benachbarte Stadt Offenbach pro Jahr für ihr Ampelsystem ein. Erst 2010 habe Offenbach außerdem für rund 500.000 Euro einen neuen Verkehrsrechner angeschafft, der die Ampelschaltung regelt und damit für gleichmäßig fließenden Verkehr sorgt. Fulda und Hanau legen dagegen kein Geld für neue Ampeln zur Seite. „Das ist derzeit kein Thema für uns“, sagt Fuldas Stadtsprecher Michael Schwab. Wegen des harten Winters werde vor allem in die Beseitigung der Winterschäden wie zum Beispiel Schlaglöcher auf den Straßen investiert. (dpa)

Quelle: HNA

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