Zwangsversicherung für Hunde? - Hessen prüft Gesetzesänderung

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Kassel/Wiesbaden. Auf Hundebesitzer können neue Kosten zukommen. Denn die Landesregierung prüft, ob Hessen eine Zwangshaftpflichtversicherung für alle Hunde einführen soll. Das bestätigte ein Sprecher des Innenministeriums unserer Zeitung auf Anfrage.

Er wies darauf hin, dass bislang nichts entschieden sei, sondern man zunächst Fakten für oder gegen die Zwangsversicherung sammele und gegeneinander abwiegen wolle. Bislang müssen in Hessen lediglich die Hundebesitzer eine Haftpflichtversicherung für Tiere abschließen, die als „erlaubnispflichtige Hunde“ eingestuft wurden.

Halter eines oder mehrerer solcher Vierbeiner müssen laut Gesetz über öffentliche Sicherheit und Ordnung eine Versicherung über mindestens 500 000 Euro abschließen. Am Freitag vergangener Woche ist in Niedersachsen die Zwangshaftpflicht für alle Hunde in Kraft getreten. Während also beispielsweise ein Hundehalter in Veckerhagen (Kreis Kassel) keine Assekuranz für seinen „Normalvierbeiner“ benötigt, muss ein Hundehalter im nur 200 Meter entfernten Hemeln (Kreis Göttingen) eine Versicherung nachweisen. Das gilt für alle Hunde ab sechs Monaten.

Die Versicherungssummen: mindestens 500 000 Euro für Personen- plus 250 000 Euro für Sachschäden. Die Kosten dafür belaufen sich auf etwa 50 bis 150 Euro pro Jahr. Niedersachsen will mit dieser Zwangshaftpflichtversicherung gewährleisten, dass durch Hunde geschädigte Personen auch gegen zahlungsunfähige Hundehalter Ansprüche durchsetzen können, wenn sie beispielsweise von einem Vierbeiner gebissen wurden.

Das Land droht allen Hundehaltern, die keine Haftpflichtversicherung abschließen oder gegen andere Teile des neuen Hundegesetzes verstoßen mit bis zu 10 000 Euro Bußgeld. In Niedersachsen soll es rund 400 000 Hunde geben. Tierschützer und Tierheime befürchten nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes nun, dass noch mehr Hunde als bislang ausgesetzt werden oder gleich im Tierheim landen, weil Hundehalter entweder finanziell nicht in der Lage sind, die Versicherung zu zahlen, oder sie nicht zahlen wollen. (jum)

Hintergrund:

Die Zwangshaftpflichtversicherung für alle Vierbeiner gelten in den Bundesländern Berlin, Hamburg und Sachsen-Anhalt. Ab dem 1. Juli folgte dann auch Niedersachsen. In weiteren Landesparlamenten wird sie bereits diskutiert. Für Kampfhunde ist die Hundehalterhaftpflichtversicherung bereits in allen Bundesländern, mit Ausnahme von Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern, Pflicht.

Hundebesitzer, die noch keine Hundehalterhaftpflichtversicherung abgeschlossen haben, droht, dass sie Schmerzensgeld und Schadensersatz aus eigener Tasche zahlen müssen. Bei bestimmten Schäden kann das in den finanziellen Ruin führen, warnen Versicherungen, die natürlich Interesse an Vertragsabschlüssen haben. (jum)

Quelle: HNA

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