Hessens Krankenhäuser werden jetzt zur Hygiene verpflichtet

Wiesbaden. Die hessischen Kliniken müssen beim Kampf gegen Krankheitserreger in ihren Häusern nachrüsten. Eine neue Verordnung des Landes schreibt den Krankenhäusern mehr Fachpersonal vor.

So müssen Krankenhäuser mit mehr als 400 Betten künftig einen eigenen Hygiene-Facharzt haben.

Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) sprach am Mittwoch in Wiesbaden von „umfangreichen Vorgaben, die notwendig sind“. Die Krankenhäuser müssten entsprechend „nachlegen“, da derzeit keines in Hessen die neuen Standards erfülle.

Mit der Umsetzung eines Bundesgesetzes will Hessen in seinen Einrichtungen neue Maßstäbe setzen. Im Bundesland war vor allem das Klinikum Fulda von mehreren Hygiene-Skandalen erschüttert worden.

Derzeit treten bundesweit in Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen jährlich etwa 400.000 bis 600.000 Infektionen auf. Diese gehen vor allem auf multiresistente Erreger (MRE) zurück. Nach Schätzungen könnten durch bessere Hygiene - zum Beispiel durch das Desinfizieren der Hände von Patienten, Personal und Besuchern - ein Drittel dieser Infektionen verhindert werden.

Neben mehr Fachkräften erhalten die Krankenhäuser künftig eine Kommission, die Hygienepläne verbindlich festlegt. In großen Krankenhäusern sollen auch spezielle Hygiene-Ingenieure eingesetzt werden. Zur Ausbildung von Pflegekräften wird ab 2012 ein Bachelor-Studiengang Krankenhaushygiene an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) in Gießen aufgebaut.

Für multiresistente Erreger wird eine Meldepflicht eingeführt. Arztpraxen sowie Alten- und Pflegeheime sollen mit MRE-Netzwerken kooperieren, die hessenweit von den Gesundheitsämtern koordiniert werden.

Mit der Umsetzung der Verordnung könnten die medizinischen Einrichtungen durch Vermeidung neuer Krankheiten letztlich viel Geld sparen, sagte Ursel Heudorf vom Gesundheitsamt Frankfurt. Die SPD bezeichnete die Verordnung als „zahnlosen Tiger“, da es den Krankenhäusern an Pflegepersonal fehle. Der Abgeordnete Thomas Spies verlangte gesetzlich verankerte Pflegestandards. Die Grünen sprachen von einer überfälligen Verordnung, meldeten jedoch ebenfalls Zweifel an, ob es zur Umsetzung genügend Personal gebe. Ähnlich äußerte sich die Linke. Dagegen erklärte die zusammen mit der CDU in Wiesbaden regierende FDP, dass Hessen mit der Verordnung bundesweit bei der Hygiene "Vorreiter" sei. (dpa)

Von Thomas Maier

Quelle: HNA

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