Historiker nennt Hessentag ein Erfolgsmodell

Stadtallendorff. Eine gesamthessische Identität hat der Hessentag in 50 Jahren wohl nicht gebracht, dafür aber viel zur Integration in der Nachkriegszeit beigetragen.

Zu diesem Fazit kommt der Historiker Otto Volk vom Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde im dpa-Gespräch. „Man muss die Entwicklung sehr differenziert betrachten. Aber der Hessentag an sich ist ein echtes Erfolgsmodell“, betont der Marburger Wissenschaftler.

Das größte Landesfest in Deutschland müsse vor seinem historischen Hintergrund gesehen werden. „Einerseits ging es darum, die bis 1945 getrennten Teile Hessens zusammenzuführen. Zum anderen sollte den zahlreichen Vertriebenen und Flüchtlingen ein Heimatgefühl vermittelt werden“, erläutert Professor Volk.

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Diese Aufgaben habe der Hessentag gerade in den Jahren nach seiner Premiere 1961 bestens erfüllt. Dennoch habe er nicht unbedingt eine gesamthessische Identität erzeugt. „Man denkt doch nach wie vor sehr regional“, findet der Historiker. So halte man sich beispielsweise eher für einen Nord- oder Südhessen, einen Frankfurter, Wiesbadener oder Hanauer.

Inzwischen habe der „Event-Charakter“ deutlich zugenommen. Und auch die Ausrichterstädte legten deutlich mehr Wert auf prominent besetzte Konzerte und publikumswirksame Veranstaltungen. Bei der zuletzt vom Steuerzahlerbund aufgeworfenen Kostenfrage warnt Volk vor voreiligen Schlüssen: „Auf den ersten Blick bleibt beim Gastgeber möglicherweise ein Minus. Allerdings muss man auch die Investitionen in die Infrastruktur sehen. Da bleibt immer etwas für die jeweilige Stadt hängen.“

Interessant findet der Marburger Forscher den Hessentag vor allem als Fest-Form. „Es gab kein wirkliches Vorbild, keinen richtigen Anlass“, betont er und fügt hinzu: „Eigentlich ist es ein von oben verordnetes Fest, das keine Bindung an eine bestimmte hessische Region hat.“ Trotz dieser an sich ungünstigen Voraussetzungen habe sich der Hessentag bewährt. „Und er hat ja sogar Nachahmer in anderen Bundesländern gefunden.“

Angesichts der immer weiter fortschreitenden Kommerzialisierung sieht Volk die Zukunft des Landesfestes vor allem in der Beschränkung auf „Klasse statt Masse“ und rät: „Man sollte bewusst feste Grenzen setzen.“

Von Daniel Rademacher, dpa

Quelle: HNA

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