Hygienischer Standard in Restaurants soll an Plaketten erkennbar werden

Kassel. Aufkleber mit Lachgesichtern sollen an hessischen Restaurants bald signalisieren, wie sauber es im jeweiligen Betrieb so zugeht. Noch weiß keiner, wie so eine Bewertung genau aussehen und umgesetzt werden könnte. Aber schon gibt es Streit um die sogenannten Smileys.

Für Helmut Wenzel beispielsweise ist das keine gute Idee. „Ich halte das für etwas zu albern, um eine saubere Küche von einer unhygienischen zu unterscheiden“, sagt der Seniorchef des Waldhotels Schäferberg in Espenau nördlich von Kassel.

Die Aufkleber, die bei Wenzel und auch bei Gastronomieverbänden auf wenig Gegenliebe stoßen, sind Teil eines Plans mehrerer Bundesländer für eine einheitliche Hygiene-Bewertung von Restaurants. Tendenz: Restaurants und Imbiss-Buden, die den Standards der Lebensmittelkontrolleure nicht genügen, würden ihre Gäste mit weniger freundlichen Aufklebern an der Tür begrüßen. Am Donnerstag werden die Landesverbraucherminister erstmals über dem Thema brüten.

Und Hessens oberste Verbraucherschützerin scheint den Lachgesichtern nicht abgeneigt. Die neue Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU): „Hessen unterstützt die Bemühungen, mehr Transparenz für den Verbraucher zu schaffen.“ Das aber ist der SPD zu unkonkret. Petra Fuhrmann, verbraucherpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, wetterte, Hessen sei im Verbraucherschutzindex bei der Lebensmittelkontrolle von Rang 10 auf den letzten Platz im Vergleich aller Bundesländer abgerutscht. Wöchentlich stellten Lebensmittelkontrolleure rund 60 Verstöße und Hunderte von Mängeln gegen Hygiene-, Gesundheits- und Kennzeichnungsvorschriften im Lande fest. Also müsse der Kontroll-Smiley kommen.

Judith Lannert, in der CDU-Fraktion für Verbraucherschutz zuständig, hat offenbar andere Quellen als ihre SPD-Kollegin Petra Fuhrmann: „Hessen ist bei den staatlichen Lebensmittelkontrollen bereits spitze“, sagt Lannert. Die FDP ist in der Lachgesichterfrage ganz liberal. Der Zierenberger Abgeordnete Helmut von Zech sagt, die Branche soll das selbst regeln.

Nach Ansicht des hessischen Hotel- und Gaststättenverbandes werden die Betriebe bereits ausreichend unter die Lupe genommen. Hauptgeschäftsführer Julius Wagner sagt, es sei nicht nachvollziehbar, warum Häuser ausgezeichnet werden sollten, nur weil sie den gesetzlichen Verpflichtungen nachkämen.

Derweil bezweifeln die Espenauer Gastronomen Helmut Wenzel und sein Partner Bernd Altvater, dass lachende Aufkleber an den Türen verlässlich Auskunft über die Hygiene in der Küche geben können. Nach Ansicht der beiden Hotelchefs mache eine derartige Kennzeichnung nur Sinn, wenn alle Betriebe systematisch in regelmäßigen Abständen geprüft würden.

Haken bei dieser Sache: Solche Kontrollen würden das Land jährlich mit 1,5 Millionen Euro zusätzlich belasten.

Von Simon Neutze und Jürgen Umbach

Quelle: HNA

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