IHK: Viel weniger Existenzgründungen von Arbeitslosen

Kassel. Deutlich weniger Arbeitslose als bislang werden sich nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel in diesem Jahr in Hessen selbstständig machen.

Grund dafür sei der zusammengestrichene Gründungszuschuss, sagte Carsten Heustock, Experte für Unternehmensförderung bei der IHK Kassel in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Nach Angaben der Regionaldirektion der Arbeitsagentur lag die Zahl der hessischen Empfänger des Gründungszuschusses in den vergangenen Jahren weitgehend konstant bei rund 100 000.

„Faktisch wird es 80 Prozent weniger geförderte Fälle geben“, schätzte Heustock für 2012. Die Frage sei, ob sich Menschen auch dann selbstständig machen, wenn der Gründungszuschuss abgelehnt wird. „Viel erwarte ich da nicht, zumal die Arbeitsmarktlage in Hessen derzeit sehr gut ist.“

Ende Dezember 2011 waren neue Regelungen zum Gründungszuschuss - dem früheren Überbrückungsgeld - für arbeitslose Existenzgründer in Kraft getreten. Zuvor hatte jeder, der die Voraussetzungen erfüllte, einen Anspruch auf den Zuschuss. Künftig entscheiden die Arbeitsagenturen nach eigenem Ermessen, ob der Zuschuss gewährt wird. Zudem wurde bislang Werbung für die Existenzgründung gemacht - heute müsse ein Arbeitsloser diese Möglichkeit selbst ansprechen, sagte Heustock. „Die Selbstständigkeit soll die letzte Möglichkeit sein.“

Warum? Weil es für die Arbeitsagentur preiswertere Alternativen gebe, sagte der IHK-Experte. „Eine kostengünstige Weiterbildung oder die Vermittlung in eine abhängige Beschäftigung sollen im Vordergrund stehen.“ Die Frage sei allerdings, ob der zu erwartende Rückgang erhebliche volkswirtschaftliche Folgen habe. Heustock geht davon nicht aus. „In der Vergangenheit sind von diesen Existenzgründungen eher wenige Arbeitsplatzeffekte ausgegangen“, betonte er. Die meisten seien also Ein-Mann-Betriebe geblieben.

Allein die IHK Kassel hat zuletzt bis zu 1200 Beratungsgespräche pro Jahr zu dem Thema geführt. Diese Zahl werde deutlich zurückgehen, prophezeite Heustock. Außer höheren Hürden beim Gründungszuschuss spiele dabei auch die Konjunktur eine Rolle. „Wenn es wirtschaftlich gut läuft, gibt es weniger Gründungen, weil viele ein Anstellungsverhältnis bevorzugen. Einen Boom dagegen gibt es bei mieser Konjunktur.“

Timo Lindemann, dpa

Quelle: HNA

Kommentare