Illegaler Bau in Heppenheim: Anfang Mai werden Mauern abgerissen

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In den Weinbergen von Heppenheim: Die selbstgebaute Burg.

Heppenheim. Bald soll nichts mehr von ihr übrig sein: Die Tage der von einem Privatmann ohne Genehmigung gebauten Burg im südhessischen Heppenheim sind endgültig gezählt.

Der selbst ernannte Burgherr Volker Sieradzki rechnet damit, dass die Anlage schon Anfang Mai abgerissen wird. Der 45-Jährige hat die Burg über mehrere Jahre hinweg in die Weinberge gesetzt, sein Projekt aber an den Behörden vorbei verwirklicht. Der Landkreis Bergstraße will die Burg deshalb einreißen lassen, vor allem auch, weil der Bau Sicherheitsstandards nicht einhalte und gefährlich sei.

Sieradzki ist immer noch enttäuscht. „Früher ist hier keiner gekommen und hat sich beschwert. Das war doch allen bewusst.“ Spaziergänger, die an der Burg vorbeiflanieren, werfen einen Blick auf das Gebäude - und laufen scheinbar unbeeindruckt weiter. Der Burgherr plante ursprünglich, das Gebäude in ein Umweltzentrum für Kinder umzuwandeln. Vor einem Monat war in einer ersten Aktion schon der Kräutergarten direkt neben der illegal errichteten Burg niedergerissen worden.

Der selbst ernannte Burgherr Volker Sieradzki im Turmzimmer seiner Burg: Er bekommt von zahlreichen Menschen Mut zugesprochen. Doch schon Anfang Mai wird nichts mehr von seinen Gemäuern übrig sein.

Ein kleiner Bagger hatte keine Probleme, mit seiner Schaufel verhältnismäßig instabile Wände zum Umfallen zu bringen. Ein Zeichen für Werner Rühmkorff von der Naturschutzbehörde des Kreises, dass die Statik der Bauanlage deutlich zu wünschen übrig lässt. „Dieses Gemäuer ist gefährlich. Es ist ohne Fachwissen und ohne ein Fundament gebaut worden. Zudem können lockere Dachziegel jederzeit runterfallen“, urteilten auch die für den Abriss zuständigen Bauarbeiter.

Die Weinberge hätten ihm gehört, bis es Geldprobleme gegeben habe, erzählt Sieradzki. Er habe Sozialwissenschaften studiert, gejobbt und neben den Weinbergen auch Bienen gehabt. Jedes Jahr habe er ein Stück Gelände gekauft, Gewinn in die Burg investiert, die er seit 2004 aus Lehm, Holz und Steinen errichtet hatte. 250 000 Euro stecken darin. „Eine Spitzenleistung“, betont er. Denn er habe gebrauchtes Material genutzt und so die Kosten gedrückt. An dem Ende für die komplette Burganlage gibt es für Sieradzki nun keinen Zweifel. „Alle geben sich wild entschlossen abzureißen“, sagte er.

„Die andere Zeit ohne Burg ist starke Ödnis.“

Der Landkreis hat das für Ende April, spätestens Anfang Mai angekündigt. „Das Schlimmste ist die Unterbeschäftigung“, blickt Sieradzki in die Zukunft. Als Imker - viele Südhessen kennen ihn als Verkäufer auf dem Wochenmarkt - habe er in der Woche etwa 25 Stunden zu tun. „Die andere Zeit ohne Burg ist starke Ödnis.“

Heppenheims Bürgermeister zeigt Herz für Sieradzki, hält Abriss aber für alternativlos. „Man muss Respekt haben vor dieser Leistung“, sagt Rainer Burelbach (CDU). „Gleichwohl: Es ist illegal.“ (lhe/sob)

Quelle: HNA

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