Islamischer Religionsunterricht in Hessen noch nicht in Sicht

Wiesbaden. Lange hat die schwarz-gelbe Landesregierung versucht, einen Partner für islamischen Religionsunterricht zu finden. Zwei Verbände wollen mitmachen. Eine Entscheidung gibt es aber noch nicht.

Der Plan, islamischen Religionsunterricht an hessischen Schulen einzuführen, ist nicht neu. Die Umsetzung lässt aber weiter auf sich warten. Zwei Verbände haben sich als Partner der schwarz-gelben Landesregierung zwar angeboten. Doch nicht vor 2012 werde über deren Anträge entschieden sein, hatte Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) vor wenigen Monaten dem Landtag auf eine Anfrage der Grünen erklärt.

Im Fall der liberal-islamischen Aleviten, für die es in Hessen seit 2009 Religionsunterricht gibt, hatte die Prüfung des Antrags ein Jahr gedauert. Die jetzigen Antragsteller sind der Landesverband der Türkisch-Islamischen Union Ditib, Dachverband der türkischen Moscheen, und die Ahmadiyya Gemeinde. Beide haben nach eigenen Angaben in Hessen jeweils über 10 000 Mitglieder und wollen für die rund 60 000 muslimischen Schüler bekenntnisorientierten Religionsunterricht organisieren wie ihn Protestanten und Katholiken haben.

Hessens Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) hatte vor gut einem Jahr die muslimischen Verbände eindringlich aufgefordert, sich als Partner zur Verfügung zu stellen. Plan B sei, statt des bekenntnisorientierten Unterrichts einen Ethikunterricht in den Klassenzimmern einzuführen, bei dem Islamkunde ein Bestandteil sein würde, sagte er damals. Der islamische Religionsunterricht wird seit 2009 von einem Runden Tisch diskutiert. „Wir machen in Hessen konsequent den ersten Schritt vor dem zweiten und konzentrieren uns zunächst auf die inhaltliche und organisatorische Ausgestaltung des islamischen Unterrichts“, sagt Ministerin Henzler.

Der Runde Tisch hat eine Arbeitsgruppe aus Vertretern unterschiedlicher islamischer Verbände eingesetzt, die einen Lehrplan für die Grundschulen erarbeiten soll. Diese komme mit ihrer Arbeit „zügig voran“, erklärt Henzler. Der Lehrplan für die Grundschulen sei „fast fertig“, berichtet auch Fuat Kurt, der Ditib vertritt. Die Kultusministerin betont, die Vertreter der unterschiedlichen Organisationen in der Arbeitsgruppe hätten einen Konsens gefunden, der bundesweit einzigartig sei. Kurt sagt, Ditib habe nicht nur den Antrag auf Organisation des Unterrichts, sondern auch ein Gutachten dazu eingereicht.

Die rechtliche Seite müsse nun von Justiz- und Integrationsminister Hahn beurteilt werden. Die Aussichten für Ditib seien nicht schlecht, meint Kurt: „Natürlich sind wir optimistisch, aber es soll ja alles sorgfältig geprüft werden, hat Minister Hahn immer gesagt.“ Als Kriterien für eine Entscheidung hatte Kultusministerin Henzler dem Parlament unter anderem genannt, dass Kooperationspartner nur eine Religionsgemeinschaft sein könne, „die sich der umfassenden Pflege des gemeinsamen religiösen Bekenntnisses ihrer Mitglieder widmet“.

Da ein religiös und weltanschaulich neutraler Staat wie Deutschland keinen Einfluss auf den Inhalt religiöser Bekenntnisse nehme, dürfe auch kein ausländischer Staat die Grundsätze der Religionsgemeinschaften bestimmen. Ditib gilt aber als von der staatlichen Religionsbehörde der Türkei beeinflusst. Die Entscheidung über den islamischen Religionsunterricht in Hessen ist also noch immer nicht auf der Zielgeraden. (dpa/lhe)

Quelle: HNA

Kommentare