Julia Wimmer hat drei Klassen übersprungen – Wenig Förderung für Hochbegabte

Mit 15 Jahren zum Abitur

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In der Bibliothek: Die 15-jährige Julia Wimmer. Mit einem Intelligenzquotienten von 148 gilt sie als hochbegabte Schülerin. Gerade hat sie ihre Abiturprüfungen abgelegt.

Hofbieber. Was sich Julia Wimmer einmal anschaut, hat sie im Kopf. Komplexe Zusammenhänge erfassen – kein Problem. Vor Kurzem ist die junge Frau aus der Rhön zu den Abiturprüfungen angetreten.

Das Bemerkenswerte: Das Mädchen ist erst 15 Jahre alt und damit eine von Hessens jüngsten Abiturienten seit langem. Das Hessische Kultusministerium in Wiesbaden kennt zumindest keine Abiturienten aus den vergangenen Jahren, die noch jünger waren.

Julia Wimmer ist eine quirlige Schülerin. Sie trägt eine modische schwarze Brille und hat rot lackierte Fingernägel. Und: Sie ist hochbegabt, hat einen Intelligenzquotienten von 148. Als hochbegabt gilt man ab einem IQ von 130. Drei Klassen hat sie übersprungen: Eine in der Grundschule, eine in der Mittel- und eine in der Oberstufe.

Ständige Langeweile

Jetzt besucht sie ein Elite-Internat in der Rhön. Ein Schuljahr Schloss Bieberstein bei Hofbieber kostet 30 000 Euro. Geld, das ihre Familie aufbringt. Im normalen Schulbetrieb wurde Wimmer schon früh unglücklich. „Spätestens nach der zweiten Wiederholung hing mir alles zum Hals raus. Ich habe mich ständig gelangweilt.“ Ihre Eltern wurden stutzig, weil sie so gut wie nichts zu Hause für die Schule machte, dennoch immer mit zu den Besten gehörte. Mit zwölf Jahren wurden mit Tests ihre Fähigkeiten festgestellt.

Auf der Privatschule sind die Bedingungen für Hochbegabte besser: Kleinere Klassen und die Lehrer verwöhnten sie mit kniffligen Zusatzaufgaben. An die Zeit in staatlichen Schulen denkt die junge Frau mit Schaudern zurück. „Fünf sabotieren den Unterricht und zehn sind versetzungsgefährdet.“ Sie lässt es nicht raushängen, dass sie außergewöhnlich intelligent ist. Ihren IQ will sie aber auch nicht verschweigen. „Ich kann ja nix dafür“, sagt sie fast entschuldigend. Das Abi im Eilschritt gemacht zu haben, empfindet sie als nicht so große Leistung. „Mir fällt vieles leichter.“

Zwei Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind Fachleuten zufolge hochbegabt. Laut der Deutschen Gesellschaft für das hochbegabte Kind gibt es wenig Ansätze, sich der Hochbegabten anzunehmen: „Es herrscht der Eindruck, dass die auch so klarkommen. Aber man muss sie fördern und fordern. Sie müssen lernen, sich anzustrengen“, erklärt die Vorsitzende des Regionalvereins Hessen, Martina Müller-Hinz. „Aber das System sträubt sich dagegen.“

Im Leben neben der Schule bedeutet Hochbegabung aber nicht immer ein unbeschwertes Leben: „Es hat auch Schattenseiten“, sagt Julia Wimmer. Der zwischenmenschliche Umgang sei nicht immer einfach. „Viele können meinen Gedankensprüngen nicht folgen. Und wenn ich im Kino sitze, wundere ich mich, über was für plumpen Humor die Leute lachen.“ (dpa)

Von Jörn Perske

Quelle: HNA

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