Sensationsfund: Zweite Reiterstatue eines römischen Kaisers in Hessen nachgewiesen

Ein Kaiser für Frankfurt

Frankfurt. Dr. Peter Fasold, stellvertretender Leiter des Archäologischen Museums in Frankfurt, glaubte zunächst an einen Scherz. Denkmalpflegerin Andrea Hampel hatte ihm im August mitgeteilt, man habe im Frankfurter Stadtteil Niedereschbach Fragmente einer Reiterstatue eines römischen Kaisers gefunden. Zwei in Hessen innerhalb von eines Jahres? Erst im August 2009 hatte die Entdeckung eines vergoldeten Pferdekopfes in Waldgirmes (Lahn-Dill-Kreis) für Furore gesorgt. Er wird einer Statue von Kaiser Augustus (63 v. Chr. bis 14  n. Chr.) zugeordnet.

Aber es stimmte tatsächlich: Was die Archäologen auf einem Acker der Gemarkung Niedereschbach gefunden hatten, stellt nach Meinung der Experten 56 insgesamt 15 Kilogramm schwere Bruchstücke einer Reiterstatue von Kaiser Trajan dar, der von 98 bis 117 n.Chr. regierte. Er gilt als Gründer der römischen Zivilverwaltung in Germanien. Charakteristisch für Trajan sei ein Teil der Stirnhaare, erläuterte Andrea Hampel gestern bei der ersten Präsentation der Funde, die nun weiter wissenschaftlich erforscht werden sollen.

Münzschatz ein Glücksfall

Dazu gehört auch noch ein kleinerer Münzschatz, der offensichtlich von einer flüchtenden römischen Familie in der Nähe einer ehemaligen römischen Hauptstraße vergraben wurde. Sie hat ihn nie mehr bergen können. Für die Fachleute heute ist das wahrscheinlich schlimme Schicksal der einstigen Besitzer ein Glücksfall: Die jüngsten Prägungen stammen aus den Jahren 259/260. Der Numismatiker David Wigg-Wolf von der Römisch-Germanischen Kommission in Frankfurt sagte, der Fund belege einmal mehr die Theorie, dass die Römer den römischen Grenzwall Limes um diese Zeit aufgeben mussten. Die Sensation für die Archäologen ist vor allem der wissenschaftliche Wert: Gemeinsam mit dem im August 2009 präsentierten Pferdekopf grenzen die Funde 300 Jahre römische Geschichte in Hessen ein.

Landesarchäologe Prof. Egon Schallmayer freut sich aus einem weiteren Grund über sie: „Sie helfen, die Sensibilität für Bodendenkmäler zu schärfen, ihren Wert zu erkennen und sie zu erhalten.“ Außerdem trügen sie dazu bei, die Identität der Menschen mit ihrer Region zu festigen.

Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) wollte gestern gleich wissen, ob es technisch möglich sei, auch den Rest der auf 400 Kilogramm geschätzten Statue zu finden und zu bergen. Da allerdings mussten die Fachleute die OB, die selbst in Niedereschbach zu Hause ist, enttäuschen: Der Rest sei wohl eingeschmolzen worden, vermuten sie.

Hessens Wissenschaftsministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) war schon allein auf die Fragmente stolz: Mit zwei solchen Funden sei Hessen „fast weltweit an der Spitze“, so die Politikerin erfreut.

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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