Gestern wurde der Elch in Gießen seziert - Genaue Todesursache noch immer unklar

Keine Kugel in Knutschis Körper

Manfred Reinacher

Giessen. Es ist sieben Uhr früh, gestern Morgen. Im Institut für Veterinär-Pathologie der Justus-Liebig-Universität Gießen leuchten die Neon-röhren an der Decke des nüchternen Obduktions-raumes auf. Es sieht aus wie in einer großen Industrie-Schlächterei. Auf einem Edelstahltisch fast in der Mitte des gefliesten Raumes liegt das Tier, das die Menschen in der Region in den letzten Tagen bewegte wie kaum ein anderes zuvor: Knutschi, der Elch, wird nach seinem unerwarteten Tod nun von Spezialisten seziert.

Vier Experten ziehen Knutschi das Fell ab, nehmen das Tier auseinander. Nach wenigen Minuten steht nun zu hundert Prozent fest: Der Elch wurde nicht erschossen. Es gibt keine Einschuss-Wunde, ein Projektil wurde auch nicht gefunden.

Ansonsten kann man im Pathologie-Institut noch nicht viel sagen. Darf man vielleicht auch nicht, weil das hessische Umweltministerium, das die Federführung im Fall Knutschi übernommen hat, das Ergebnis der Obduktion verkünden will.

Ob dieses Ergebnis Ende der Woche feststeht, will Prof. Manfred Reinacher, Chef der Veterinär-Pathologie, nicht sagen. Vielleicht sind noch genauere, weitergehende Untersuchungen nötig. Dann wird man erst im Verlauf der nächsten Woche wissen, woran der Elch im Reinhardswald wirklich starb.

Drei Stunden später, um 10 Uhr am Vormittag, sind die Experten mit dem Sezieren von Knutschi fertig. Er ist zerlegt. Auf einem anderen Tisch liegt nun sein Fell, auf einem dritten das Fleisch, der große Schädel mit dem noch nicht fertig ausgebildeten Geweih des etwa zweijährigen Elchbullen ist abgetrennt. Fest steht nun auch, dass Knutschi 320 Kilo wog.

Keine Spekulation

Für die Fachleute wie den Pathologie-Mitarbeiter Stefan Streit ist „Knutschi“ ein Fall wie viele andere. Man hat schon etliche Elche in Gießen obduziert - allerdings noch keinen aus freier Wildbahn. Sie kamen aus Zoos oder Tiergärten. An den Spekulationen, warum „Knutschi“ starb, will sich das Pathologie-Institut nicht beteiligen: War es der Stress der Betäubung und des Aussetzens im Reinhardswald? Zog sich „Knutschi“ auf dem Transport eine tödliche Verletzung zu? Man wird abwarten müssen. Auf das Ergebnis, das die Pathologen bald herausgefunden haben werden.

Von Frank Thonicke

Quelle: HNA

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