Erster Test: Kind stirbt an Cholera - Geschwister erkrankt

Bad Homburg. Erstmals ist in der Bundesrepublik ein Mensch höchstwahrscheinlich an Cholera gestorben. Das einjährige Mädchen war mit seiner Familie gerade von einer Reise aus Pakistan zurückgekehrt.

Seine drei Geschwister erkrankten ebenfalls. Stuhlproben der Kinder hätten den Anfangsverdacht bestätigt, teilte das Klinikum Frankfurt Höchst am Freitag mit. Weitere Tests sollen aber folgen. Die Familie aus Pakistan lebt seit Jahren in Oberursel im Taunus. Die Kinder waren erst am Mittwoch mit ihren Eltern nach Deutschland zurückgekehrt und mit starken Beschwerden in das Frankfurter Krankenhaus gebracht worden.

Das jüngste Kind war bereits in der Nacht zum Donnerstag in Frankfurt-Höchst gestorben, den Zustand der anderen drei Kinder bezeichneten die Ärzte als „ausreichend stabil“. Sie seien nicht mehr in Lebensgefahr. Die Geschwister - zwei Jungen und ein Mädchen - sind zwischen zwei und vier Jahren alt. Die Eltern sind nach Angaben des Ersten Kreisbeigeordneten des Hochtaunuskreises, Wolfgang Müsse (FDP), nicht infiziert. Müsse hatte angegeben, dass das tote Kind ein Junge sei. Nach dpa-Informationen handelt es sich aber um ein kleines Mädchen.

Falls alle Tests die Diagnose bestätigten, handele es sich um die bislang größte Gruppenerkrankung an Cholera in der Bundesrepublik, sagte Prof. Klaus Stark vom Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin der Nachrichtenagentur dpa. Die meldepflichtige Cholera wird nur selten nach Deutschland eingeschleppt. So waren dem RKI seit 2002 - vor den jüngsten Fällen - bundesweit nur zehn Erkrankungen nach Reisen gemeldet worden. Eine weitere Infektion im Jahr 2001 ist vermutlich auf importierte Lebensmittel zurückzuführen. Seit Jahrzehnten hat es keinen Todesfall in Deutschland gegeben.

Die Kinder in Höchst werden nach Angaben der Ärzte mit viel Flüssigkeit und Elektrolyten behandelt. „Zur endgültigen Klärung der Todesursache bei dem jüngsten Kind müssen aber die Ergebnisse der Obduktion und weitere mikrobiologische Untersuchungen abgewartet werden“, heißt es in einer Mitteilung des Krankenhauses. Die Obduktion sollte nach Angaben von Müsse am Freitagnachmittag vorgenommen werden. Nach Angaben des Klinikums Frankfurt Höchst ist mit einem Ergebnis erst in einigen Wochen zu rechnen. Cholera-Erreger finden sich in verunreinigtem Trinkwasser und lösen starkes Erbrechen sowie reiswasserartigen Durchfall aus. Der Körper verliert unter Umständen bis zu 20 Liter Wasser am Tag. Im Extremfall kann dies innerhalb von kurzer Zeit tödlich enden.

Die Eltern hatten im Krankenhaus angegeben, nur Getränke aus gekauften Einwegflaschen zu sich genommen zu haben. Zudem habe sie sich nicht in den pakistanischen Überschwemmungsgebieten aufgehalten. Oberarzt Jochen Scholz von der Kinderintensivstation des Klinikums Frankfurt Höchst sagte, dass in Ländern wie Pakistan oder Indien limonaden- und colahaltige Getränke oft vor dem Verkauf mit Leitungswasser gestreckt würden. „Bei Verwendung unsauberen Wassers können sie dann hohe Keimzahlen aufweisen.“ Der Hochtaunuskreis hat insgesamt zwölf Menschen für sechs Tage unter Quarantäne gestellt. Dies betrifft laut Müsse Helfer des Rettungsdienstes und andere. Die Mutter der Familie sei bei ihren Kindern im Klinikum, der Vater sei zu Hause in Oberursel.

Quelle: HNA

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