Kultusministerin setzt längeres gemeinsames Lernen in Haupt- und Realschulen durch - Ministerpräsident unterstützt Modell

Koch und Henzler bauen Schule um

Neue Wege: Ministerin Dorothea Henzler (FDP) und Regierungschef Roland Koch (CDU) - hier im Landtag - gaben gestern grünes Licht für eine Schulreform. Foto: dpa

Wiesbaden. Wenn der Ministerpräsident eine Ministerin vor die Presse begleitet, will er ihr entweder das Heft des Handels aus der Hand nehmen, oder er will sie demonstrativ unterstützen. Allein das glückliche Lächeln von Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) zeigte gestern, dass Letzteres der Fall war: Bei der Präsentation der neuen Mittelstufenschule, in der Haupt- und Realschüler ab 2011/12 gemeinsam bis Klasse 7 lernen können, machte Regierungschef Roland Koch (CDU) unmissverständlich klar, dass er die Pläne der Ministerin unterstützt. Sie laufen faktisch auf die Abschaffung der Hauptschule hinaus. Davon gibt es ohnehin nur noch vier.

Allerdings dürfen erst einmal nur die 58 verbundenen Haupt- und Realschulen, die schon eng kooperieren, die neue Mittelstufenschule formen. Dort soll erst in der siebten Klasse entschieden werden, ob ein Schüler eher praktische Begabungen hat und deshalb praxisorientiert bis zum Hauptschulabschluss weiterlernt, oder ob er die eher schulisch-theoretische Form bis zum Realschulabschluss anstrebt. Basis der Entscheidung soll ein „Kompetenzfeststellungsverfahren“ in Klasse 7 sein. Beide Bildungsgänge sollen eng mit Berufsschulen kooperieren. Damit kommt man auch Forderungen der Wirtschaft nach, die eine bessere Vorbereitung auf die berufliche Praxis will.

Ministerpräsident Koch betonte, mit der neuen Mittelstufenschule trage man der Tatsache Rechnung, dass die bisherige Aufteilung weder den demografischen Herausforderungen noch dem Willen von Eltern, Lehrern und Schülern „in vollem Umfang entspricht.“ Tatsächlich wählen nur noch rund drei Prozent der Schüler die Hauptschule. Dass am Ende bis zu 20 Prozent dort landeten, sei ein „Durchreichen nach unten“, das Schüler demotiviere, aber nicht ansporne, so Henzler. Sie habe immer gesagt, man könne die Hauptschule abschaffen, aber nicht die Hauptschüler. Diese müssten jedoch intensiver und individueller gefördert werden. Schon in den bestehenden Schubklassen - kleinere Klassen mit hohem Praxisanteil - sehe man, dass man Jugendliche anspornen könne.

Im Ganztagsbetrieb

Die Schulen, die sich für das neue Modell entscheiden, sollen alle Ganztagsschulen mindestens mit pädagogischer Mittagsbetreuung werden. Langfristig könnten auch die Gesamtschulen einbezogen werden. Dies, so Koch, sei allerdings auch eine Frage der finanziellen Ressourcen.

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Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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