Kommentar zu Bouffiers Koalitions-Offerte: "Spannendes Experiment"

Wiesbaden. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier will offenbar Koalitionsverhandlungen mit den Grünen aufnehmen. Petra Wettlaufer-Pohl, Wiesbaden-Korrespondentin der HNA, kommentiert diese überraschende Wendung.

"Noch ist nichts endgültig entschieden, ist der Vorstoß von Volker Bouffier nur ein Angebot an die Grünen. Doch wenn man die Beteiligten betrachtet – hier Bouffier, der konservative Haudegen aus Gießen, dort der machtbewusste Grünen-Chef Tarek Al-Wazir – dann ahnt man, dass CDU und Grüne ziemlich weit miteinander gekommen sein müssen.

Bouffier ist mutig, aber er ist keiner, der ein gänzlich unkalkulierbares Risiko eingeht, zumal in seiner mutmaßlich letzten Amtszeit als Regierungschef. Verlässlichkeit ist für ihn ein wichtiges Kriterium, und verlässlicher waren offensichtlich die Grünen.

Dass Koalitionsverhandlungen mit ihnen kein Zuckerschlecken werden, weiß er. Andererseits ist die hessische Union selbstbewusst genug, die Elf-Prozent-Partei Al-Wazirs bei Bedarf in die Schranken zu weisen. Ob der Grüne, wie von ihm geplant, als Wirtschaftsminister in den Chefetagen hessischer Firmen für Aufregung sorgen wird, ist noch nicht ausgemacht.

Die Sozialdemokraten, die auf der Strecke bleiben, haben dies vor allem selbst zu verantworten. Zu wankelmütig hatte sich Parteichef Thorsten Schäfer-Gümbel in den letzten Tagen gezeigt, von Mut und Führungsstärke war wenig zu bemerken. Die SPD wird in der Opposition nun wie gehabt den Linken, aber auch der FDP begegnen. Das erschließt in einigen Jahren vielleicht eine Reihe neuer Optionen. In Hessen haben jetzt andere die Chance ergriffen, ein Experiment zu wagen, das allemal spannender ist als eine große Koalition."

Quelle: HNA

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