Sozialdemokraten lassen Oberbürgermeister Hoffmann fallen - Wunschkandidatin ist Exministerin Zypries

Kräftig Krach in der Darmstädter SPD

Darmstadt. Die Bemühungen des SPD-Landesvorsitzenden Thorsten Schäfer-Gümbel, die SPD landesweit wieder schlagkräftig zu machen, wurden jetzt von der Darmstädter SPD konterkariert: Der dortige Unterbezirksvorstand hat Oberbürgermeister Walter Hoffmann (57) als Kandidaten für die OB-Wahl 2011 fallen gelassen. Für die SPD, die seit Kriegsende den OB stellt, könnte Darmstadt nun zum Problemfall werden.

Hoffmann selbst zeigte sich überrascht. Doch dass die Chemie zwischen dem OB und seiner Partei nicht mehr stimmte, ist nicht neu. Der 57-Jährige hatte sie schon mehrfach durch Alleingänge verärgert -etwa mit Verhandlungen mit der Bahn über einen stadtfernen ICE-Fernbahnhof auf der Strecke Frankfurt-Mannheim. Damit hatte er sogar gegen einen Parlamentsbeschluss gehandelt, der sich für den ICE-Halt im Hauptbahnhof aussprach.

Schlecht angekommen war auch, dass Hoffmann über die Presse seine zweite Kandidatur angekündigt hatte. Die Sozialdemokraten reagierten düpiert. „In der tiefen Sehnsucht nach einem Signal und Symbol der Gemeinsamkeit“, so ein Vorstandmitglied, habe man ihn dann gebeten, zugleich die Spitzenkandidatur für die Kommunalwahl zu übernehmen. Das aber lehnte Hoffmann erwartungsgemäß ab. Er kandidiere in einer Persönlichkeitswahl als Oberbürgermeister aller Darmstädter und nicht für das Stadtparlament, so sein Argument. Jetzt will Hoffmann kämpfen - als Einzelbewerber oder beim Nominierungsparteitag.

Der Unterbezirksvorstand hat eine Findungskommission einberufen, die Ersatz suchen soll. Als Erste auf der Liste dürfte Brigitte Zypries (56) stehen, Ex-Bundesjustizministerin und in Darmstadt zweimal direkt gewählte Bundestagsabgeordnete. Sie war früher schon gefragt worden - vergeblich. Gestern wollte sie sich nicht äußern.

Spitzenkandidaturen von Direktwahlkandidaten sind heikel, da ein gewählter Kandidat sein Mandat erst gar nicht antreten würde. Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) hält es wie Hoffmann und wird nur als OB-Kandidat antreten. Günter Rudolph, parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, hält dies für konsequent: „Seit Einführung der Direktwahl ist es doch logisch, dass die Kandidaten keinen Parlamentssitz anstreben.“

Von Petra Wettlaufer-Pohl

Quelle: HNA

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